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Freitag, 15. Oktober 2010

Erntezeit



Sie hatte sich aufgehübscht und dann ins Auto gesetzt,
nach Wochen mal wieder ein Treffen, nur zum Spiel,
den Hunger befriedigen, die Lust.
Niemand wusste davon.
Ein heißer Julitag,
nach 4 Stunden Fahrt kam sie durstend bei ihm an.
Sie mochte sein Haus zwischen den Feldern.
Es gab Wein und Salat
und dann den obligatorischen Anfang
"Zieh dich aus!"
Drei Tage Zeit, aber nichts zu verschenken.

Geknebelt, die Hände gebunden führte er sie hinaus.
"Steig in den Wagen!"
Er fuhr bis sie die Orientierung verlor.
Feldwege und die Geräusche eines parkenden Autos.
"Die Schuhe auch!"
Spitze Steine unter den Füßen, spüren.
Sich führen lassen, müssen.
Berührungen auf der Haut, pflanzliches Peitschen.
Noch warme Erde, sandig unter den nackten Sohlen.
Schabendes Rascheln am ganzen Körper,
Getier in den Haaren und auf der Haut.
Nur ihrer beider keuchender Atem ist zu hören.
"Stop!"
und dann etwas raues im Rücken,
kühlwarm und hart, Beton, ein Mast.
Mit Seilen und Stangen, lässt er sie dort erstarren.
"Vertrauen?"
Sie nickt, selbstverständlich.

Sicherheit, er legt das eingeschaltete Handy neben sie auf den Boden,
so kann er hören ob alles safe ist.
Voller Empfang und beide Akkus geladen,
das hat er überprüft
und er wohnt ja nicht weit, zwei Minuten.

Am Auto dreht er sich noch einmal um, nein, sie ist von hier nicht zu sehen,
der Mais ist schon hoch in diesem Jahr.
Das Display erleuchtet, er kann ihr keuchen hören.

Zigaretten hat er vergessen,
doch noch einmal schnell zum Automaten, jetzt.
In einer Stunde holt er sie wieder ab,
das wird sie wohl aushalten, dann wird es kühl.

Die Musik etwas lauter,
an den Bahnschranken hört er den ICE nicht,
der fährt hier 270, und die Anlage ist mal wieder defekt.
Das Handy landet im Graben, der Akku hält noch sieben Stunden.
Dann erlischt das Display.

Die Tage sind heiß, sie spürt Durst
und am nächsten Tag Wahn und Verwirrung.
Vertrauen, aber jetzt würde sie schreien wollen um Hilfe.
Wenn nur die Fliegen nicht wären
und die Seile.
Am dritten Tag gibt sie auf.

5.30 Uhr, Weckerrasseln, Maisernte, jeden Tag 18 Stunden auf dem Häcksler.
Heute muss er da hin, wo das Haus von dem Typen steht den im Juli der ICE erwischt hat.
Um 6 Uhr steht er an der Ackereinfahrt, bis zum Frühstück würden sie wohl die Hälfte schaffen, dass ist dort wo der Betonpfeiler steht.

(SZ Aug. 2008 und es passt grad so gut, jetzt wo die Maisernte in vollem Gange ist )






Sonntag, 3. Oktober 2010

möglichkeiten - Dilaram

Donnerstag, 18. Dezember 2008 - 00:41 Uhr
möglichkeiten


geh
komm
bleib
ich laß dich sein

laß uns träumen
flüstern
reden
und den Wind anschreien

wir feiern einfach so
mit Kerzenschein
und heißem Wachs
mit anschließendem zerfließen

wir binden uns nicht
aneinander
verbunden
sind wir auch so

Gefühle
brauchen keinen Namen
Augenblicke zählen
mehr als das
halten
was wir haben
aneinander


Freitag, 12. Dezember 2008 - 19:09 Uhr
Dilaram

Dilaram I

Zeit
Zeit zum zurücklehnen im Sein
dem Sinn zusehen im Entstehen
wie es sich umrundet
aufeinander zubewegt
spielt mit Worten, Gesten und Blicken
zögerlich, neugierig, nahe
und näher kommt, stetig
schweigend nähert sich Denken
zweierlei Orte, einerlei Sinn,
zuhören, hinhören, aufmerksam
das Wollen wollen,
und können
irgendwann
einfach
warten
können


Dilaram II

"Weisst du" , sprach sie leise in das alufarbene Gehäuse " so vieles ist gar nicht wichtig zur Zeit."

Was ist denn wichtig?

Wichtig ist nur das innendrin, diese Wärme, die einfach stetig vorhanden ist.
Wahllos fühlt es sich an, aber nicht wie aufgegeben, sondern wie angenommen.
Manchmal kann man einfach nicht anders, bleibt einem nichts anderes.
Da prallt alles an einem ab, an der Sicherheit das dies einen Sinn hat.

Welchen Sinn hat es denn?

Kann man das jetzt schon wissen, so im vorherein, muss man das wissen?
Vielleicht bringt es ja nur Erkenntnis oder es bringt viel mehr als nur das.
Bis jetzt hat es Ruhe in meine Ruhelosigkeit gebracht und vieles hab ich vorher nicht gewusst, auch über mich nicht.

Und jetzt bist du ruhig?

Ja, ganz in mir drin bin ich das. Vieles wird einfach irgendwie kommen, irgendwann, weil es gar nicht anders kann. Ich bin mir da ganz sicher, aber eines nach dem anderen, weil das eine nicht ohne das andere geht.
Das Wollen wollen ist ja schon ganz wohlig da.
Das macht mich ganz ruhig, im Herzen und auch im Sein.

Du scheinst dir da wirklich ganz sicher zu sein?

Ja.

aber - zwischen den Zeilen - trotz-dem

Sonntag, 7. Dezember 2008 - 14:56 Uhr
aber


Das wollte, mußte sie jetzt klären. Was wusste er denn schon, so überhaupt und von Gefühlen ins besonderem, von ihren vielleicht, aber in sich selbst war er doch Authist.
Nur nichts rankommen lassen, so viel zwischen der Nähe.

Sie würde ihm das schon erklären, hinbiegen, passend fürs Leben.
Er glaubte doch wohl nicht er könne sich jetzt so einfach und schon gar nicht aus dieser Affaire ziehen.
Soll er mal kommen mit seinen Einwänden und Gründen.
Mir nichts, dir nichts, vonwegen, sie kalt und stumpf hier liegen lassen.
Das wollte sie jetzt ganz genau wissen, obwohl sie sich sicher war, aber heute würde sie fragen.
Eigentlich bräuchts ja keine Antwort, nur hören, einmal hören wie er es sagt.

Es konnte doch gar nicht anders sein, dafür gab es einfach zuviele schließlichs.
Seit Monaten ging das jetzt schon so, er kam und sie gab.
Das müsste er doch erkennen, anerkennen wenigstens, dankbar womöglich.
Er hörte es doch schon seit den Anfängen täglich von ihr, am Telefon und short gemessegt und ins Gesicht sagte sie es ihm auch, ständig, wieder.
Sie wusste es ja gleich, aber nie gab er eine Antwort.

Das war doch zum, ja was?
Nachdenken hätte man darüber können, aber was waren ein paar Gedankenzweifel gegen die Sicherheit.

Nur heute, wo sie sowieso mit sich und aller Welt rang, da täte es doch gut, wenn er es einfach so, nur mal sagen.
Er müsste doch sehen was sie brauchte, auch einmal etwas geben, von sich.
Das konnte doch nicht nur wegen dem Sex sein, da war schon mehr wenn er sie hinterher hielt, da fühlte sie ihn ganz nah.
Wenn seine Fingerkuppen ganz sachte diese Ecke an ihrer Schulter umkreisten, sie an ihn zogen und ein Stirnkuss das ganze besiegelte.
Man küsste ja nicht jede so einfach auf die Stirn, auf den Mund ja, aber auf die Stirn. Das war direkt der Mittelpunkt, ganz frei von Gier.
Dann fasste sie nach seinem Herzschlag mit einer Hand, gleichmäßig.
Sein Blick hing im Deckenweiß und ihrer an seiner pochenden Ader, da wo man mit einem einzigen Schnitt alles klären konnte.

An ihm war alles pochendes Leben, das fühlte sie mit jedem Stoß, wenn sie ihn aussaugte.
Alles bekam sie, so wie sie wollte, da war er ausgiebig, nur mit den Worten so geizend.

Und jetzt, hier, heute, war es gewesen wie immer.
Gleichmäßige Gewohnheit, jeder kannte seinen Part in dem was zu tun war.
Aber sie wollte es hören, heute, nur einmal.
Und die Frage hing sekundenlang in den Zwischenräumen klebend.
Bis sein "Ich mag dich" alles verschmetterte was da war.
Zerstört und kaputt, alles seine Schuld.
Das hätte er doch gleich sagen können, anstatt sie monatelang im Unklaren zu lassen.
Aber so war das ja immer.
Erst sagten sie nichts und am Ende den Schwanz einziehen, da wo es dann um Nähe ging, wo mehr werden konnte.
Miteinmal war da nichts mehr, wo vermutlich vorher alles war.
Aber nichts zu sagen war ja so einfach.

Jetzt gab es nichts mehr zu sagen, das hörte sie am Schnappen der Tür.
Klack, das wars, zu kompliziert mit der Nähe, wie immer.


Samstag, 29. November 2008 - 11:29 Uhr
zwischen den Zeilen


zwischen den unrechten Worten
zwischen den Zeilen lese ich
wenn ich zuließe was geschrieben steht
würde ich nichts verstanden haben
nichts erkannt haben bis jetzt
wäre ich blind und unwissend
ganz fern
wo ich doch viel näher bin...
kein Gegner den ich nicht kenne
auch ich sehe mich in dem Spiegel
aber da, wo ich bin, sehe ich
mehr als das eigene Wasserbild
kein gegeneinander
im für und miteinander
nur ein Teil will mich weg
und in die Knie zwingen
wenn ich Opfer wäre
könnte das gelingen
nur, ich weiß was ich bin
und das sicher nicht
gleich und gleich
erkenne ich
mich
dich


Freitag, 21. November 2008 - 02:30 Uhr
trotz dem



Betreten verboten!
bis hierher und nicht weiter
schon zu weit vorgewagt
man hätte wissen müssen
aber nicht mehr gekonnt
besser wissend aber
reingefallen
unvermeidlich
hätte nicht sein sollen
aber ist
gewollt so geblieben
angenommen
jegliche Warnung
vorherbestimmt
in den Wind geschlagen
aber nicht
geschlagen geben
noch lange nicht

wider-nett - Hamazan - naturtrüb

Mittwoch, 19. November 2008 - 20:34 Uhr
wider - nett



Nett, ja, das war ich wohl.
Das hatte ja auch seinen Grund, meine Liebe.
Weißt du, diese Einladung zum Kaffee, die war von langer Hand geplant.
Ich wusste ja, das es ein paar Wochen dauern würde, aber das machte nichts aus.
Ich hatte ja auch ein paar Dinge vorzubereiten.
Du solltest dich doch wohl fühlen und ich wollte dir eine gute Freundin sein bis dahin.
Jeden Tag ein Stückchen näher beisammen rücken.
Mein ganzes Verständnis habe ich dafür zusammenraffen müssen, leicht fiel mir das nicht.
Aber ich habe mir alles ganz brav angehört.
Deine Tränen der Sehnsucht und des Verlangens getrocknet, immer freundlich, verbindlich.
Gab dir gute Ratschläge und hörte mir an was du daraus machtest.
Innerlich schrie es dabei oft in mir.
Aber ich hatte ja Ablenkung in den Stunden dazwischen.

Überrascht war ich dann allerdings ein wenig dass der Vorschlag sogar von dir kam.
Und nun sitzen wir beide hier so nett beieinander und trinken Kaffee.
Du möchtest noch eine Tasse, aber gerne doch.

Ich hätte gedacht es würde schneller gehen.

Warum tupfst du dir denn so oft die Mundwinkel ab?
Du wirkst ein wenig ruhelos.
Ja, zieh nur die Schuhe aus, ich weiß das deine Füße jetzt langsam anfangen zu kribbeln.
Nein, der Schwindel kommt sicher nur vom Cognac.
Ruh dich nur eine Weile aus, das geht gleich wieder vorbei.
Derweil rede ich eben auch mal ein wenig, ich komme bei dir ja selten dazu.

Als wir uns damals kennen lernten, da war ich ganz begeistert, wie schnell man sich mit dir anfreunden konnte.
Du warst so zutraulich in deiner Hilflosigkeit. Fast hätte ich Mitleid gehabt mit dir.
Aber eben nur fast. Ich wusste ja von Anfang an, was für ein Spiel du spieltest.
Nein, sei besser still und lass mich reden, trink doch noch einen Schluck.

Du Dummerchen, jetzt hast du die Tasse umgestoßen, kannst du denn schon nicht mehr richtig sehen.
Ich glaube ich sollte mich beeilen mit meiner Geschichte.

Ach ja, dein Spiel, da war ich stehen geblieben.
Ganz am Anfang, da hab ich dir ja auch noch geglaubt, da war ich wirklich entsetzt über das was dir passiert ist.
Aber dann habe ich nachgedacht und so einiges passte doch nicht recht zueinander.
Ich kannte aber ja auch das Ziel, das du verfolgtest.
Ich wusste ja, wer meine Gegnerin war.

Warte, ich öffne das Fenster ein wenig, vielleicht bekommst du dann ein wenig besser Luft. Eine Weile wirst du mir noch zuhören müssen.
Nein, versuch besser nicht aufzustehen, das wird dir jetzt nicht mehr gelingen.
Ich rück dir das Kissen noch ein wenig zurecht, damit du es bequem hast
und ich wisch dir auch den Sabber aus dem Gesicht. Ein wenig eklig ist das ja schon.
Du wirkst jetzt etwas überrascht, meine Liebe.
Bitte, sprich doch deutlich, ich kann dich ja kaum verstehen.

Ja, wir beide hatten das gleiche Ziel und ich war dem schon so nah.
Und dann kamst du, so hilflos, auf der Suche.
Beschützt wolltest du werden, und deine Taktik war wirklich gut.
Wenn man denn zum Beschützen neigt.
Nur, ich bin leider nicht so, zumindest nicht, wenn man sich mir in den Weg stellt.
Und wenn ich das verlogene Spiel dann noch durchschaue.
Da werde ich dann doch etwas empfindlich und manchmal sogar ein wenig kratzbürstig. Und gelegentlich neige ich sogar ein bisschen zu Übertreibungen.

Nun, ich wusste mir keinen anderen Rat mehr und du warst wirklich leichte Beute. Ich habe ja so viel Verständnis.
Entschuldige das ich jetzt gerade kichern muss, aber erinnerst du dich noch wie du mir von der Maus in deiner Küche erzähltest.

Ich bin ja nur froh das du Kaffee süß und mit Cognac trinkst, dieser mäuseartige Geruch hat mir anfangs doch sehr zu schaffen gemacht.
Und es soll ja auch ein wenig scharf schmecken, aber das überdeckt der Alkohol, wie mir scheint. Und das süße Mohngebäck hilft auch ein wenig.

Das musst du jetzt aber doch zugeben, das war ein netter Zug von mir, dass ich das extra noch für dich gebacken habe, sonst müsstest du dich jetzt viel mehr quälen meine Liebe.
Aber dadurch wirkt es jetzt leider auch so schnell, was ich jetzt fast ein wenig ärgerlich finde.

Nun ja, du befindest dich wenigstens in guter Gesellschaft.
Sokrates ist damals auf die gleiche Weise von uns gegangen und der war ja nun wirklich um einiges bedeutender als du.

Weißt du, das seine Freunde ihn damals aus dem Gefängnis befreien wollten um sein Leben zu retten?
Ich hatte dir ja auch ein paar Mal geraten zu gehen, aber du wolltest partout nicht auf mich hören.

Ja, ich weiß, das Atmen wird immer schwerer, aber ich weiß auch das du mir jetzt ganz genau zugehört hast und das dir jetzt so einiges klar geworden ist, nicht wahr meine Liebe?
Nein, du kannst jetzt nicht mehr flüchten, es gibt keine Rettung mehr.

Nur eines verstehe ich nicht.
Die alten Griechen behaupteten es wäre ästhetisch, wenn ich dich so ansehe, dann können wir beide dem wohl nicht so ganz zustimmen.
Eine kleine Weile noch, dann ist es überstanden.






Montag, 17. November 2008 - 15:11 Uhr
Hamazan


"Weißt du," sinnierte sie, während sie mit dem Wetzstein ihr Schwert bearbeitete, "ich glaube darin liegt der Sinn meines Seins."

Er saß auf der anderen Seite des Feuerscheins und drehte das Tier am Spieß über dem Feuer.
Sie war sich gewiss das er ihr zuhörte, auch wenn er keinerlei Regung zeigte, und so redete sie weiter.

"Es gibt Schlachten, die sind mir vorherbestimmt. Ich habe keinen Kriegsherren, der mich in seine Schlachten ziehen heißt. Ich ziehe durch die Zeit und suche mir meine Schlachtfelder.
Wenn ich an einem Feld vorbeireite, sehe Blut und Tränen und höre im Irgendwo einen Verletzten klagen.
Manchmal klagen sie nicht laut, sondern kämpfen verbissen gegen die, die sie ihre Feinde nennen.
Ich sehe das Säbelrasseln aus der Ferne und weiß, dort ist ein Kampf zu kämpfen, eine der mir eigenen Schlachten.
Dann mache ich Halt auf dem Hügel und betrachte aus der Ferne das Kampfgeschehen.
Ich sehe all das Blut auf dem rot gefärbten Acker und kann die Toten kaum zählen. Inmitten all dessen sehe ich diesen einen Kampf, wie in Öl gemalt.
Und aus den Schreien spricht, in all dem Hass, der Wut, der Verzweiflung, der verlorenen Liebe nur eines, die Angst vor dem verlieren."

Ihr schien, sie hätte eben eine Riefe in die Schneide geschliffen und hob ihr Schwert, um im Licht des Feuers entlang der glänzenden Klinge zu sehen.
Mit dem Ort wies sie direkt auf die Stelle seines Harnischs an der sein Herz schlägt.
Die rote Glut spiegelte sich in der Blutrinne und sie fuhr mit dem Finger entlang der geschliffenen Schneide ohne Widerstand zu verspüren.
Zufrieden mit ihrer Arbeit besah sie kurz den Tropfen Blut in dem winzigen Schnitt an ihrem Finger und saugte es wie beiläufig ein.
Die Kraft des Blutes musste sie nicht vergießen um davon zu zehren.
Ihr Blick fiel auf die Inschrift in der Fehlschärfe
"In hoc salus". In diesem ist das Heil.

Sie wendete das Schwert um die andere Schneide zu schärfen.
Mit einem Tuch rieb sie etwas Nelkenöl auf den Stahl um dann wieder mit dem Wetzstein darüber zu schleifen.
Im Feuer zischte es, wenn etwas aus dem Tier am Spieß herunter tropfte. Beruhigend zu hören, wenn man hungrig ist und frei genug um den Hunger stillen zu können.

Er saß immernoch reglos lauschend ihr gegenüber, den Geräuschen des Feuers, des Wetzsteins und ihrer Stimme, die sich langsam in ihn einschliff.

"Weißt du," sprach sie weiter "ich habe schon so viele Schlachten geschlagen. Ich könnte auch müde sein von all den Kämpfen. Aber ich kam mit jedem Kampf meinem Ziel näher, dem Sinn an sich.
Ich habe Schlachten gewonnen, verloren und aufgegeben. Ich habe andere gelehrt zu kämpfen, oder ihnen zur Seite gestanden, wenn sie selbst müde waren.
Das alles gehörte zu meinem Weg der mich in diese eine Schlacht führte, von der ich dir jetzt erzähle.

Ich hatte vor längerer Zeit schon einmal davon gehört.
Nur, manche Wege muss man doppelt kreuzen um sie zu erkennen und inne zu halten.
Diesmal aber zog ich mein Schwert und wollte mich wie gewohnt in die Schlacht stürzen, aber ich fühlte, mein Schwert allein würde diesen Kampf nicht gewinnen.
Ich musste mich durchkämpfen zu dem Krieger, der da inmitten des Ölgemäldes gegen mir unbekannte Gegner kämpfte.
Ich sah die dunklen Gestalten, die ihn umringten, die ihm anboten aufzugeben und mit ihnen Seite an Seite zu kämpfen.
Er wies mich zurück, als ich mit erhobenem Schwert neben ihm stand und bereit war an seiner Seite zu kämpfen. Er wollte keine Verbündeten, er wollte auf seine eigene Art kämpfen.

Aber ich sah die tiefen Wunden, die man ihm bereits zugefügt hatte und ich blieb an seiner Seite um auf den Zeitpunkt zu warten, an dem ich in den Kampf eingreifen müsste. Ich blieb, weil ich wusste das dies meine wichtigste Schlacht werden könnte.
Es war schwer zuzusehen, wie ihn die Kraft und der Mut verließ. Aber sein Stolz verbot ihm, mich und mein Schwert mit in diese Schlacht ziehen zu lassen.
Ich stand, das Heft in der Hand, daneben und wartete.
Er taumelte bereits und seine Gegner drohten die Überhand zu gewinnen und ihn auf ihre Seite zu ziehen.
Würde er sich mit ihnen verbünden?
Auf diese Art hatte ich noch nie gekämpft, aber ich nahm all meinen Mut zusammen und erhob mein Schwert. Seine Gegner machten mir Angst, und ich hatte nur diese eine Chance.
Entweder war er jetzt bereit sich Rücken an Rücken mit mir den dunklen Gestalten zu stellen, oder sie würden gewinnen.
Er stand da, sein Schwert gesenkt, und ich stellte mich hinter ihn.
Seinen letzten Versuch mich fort zu schicken überhörte ich, erhob mein Schwert und schlug dem stärksten seiner Feinde mit einem Hieb den Schädel entzwei.
Jetzt hätten wir eine Chance auf den Sieg, wenn er mit mir kämpfen würde.
Die anderen Gestalten näherten sich, nachdem ihre erste Wut über den Verlust ihres Anführers verflogen war.
Ich hielt ihnen drohend mein Schwert entgegen, das Heft fest mit beiden Händen umfasst. Aber es waren zu viele, ich musste ihn dazu bringen mit mir zu kämpfen.
Er hörte wohl meinen Kampfschrei, als ich mich auf den nächsten der dunklen Gegner stürzte und er erwachte, sah sich um und Mut und Kraft kehrten in ihn zurück.
Wir stürzten uns gemeinsam in die Schlacht und einer nach dem anderen fiel durch unser Schwert.
Und mit jedem Feind, den er erschlug gewann er an Stärke.
Ich hatte bald nichts mehr zu tun, als ihm den Rücken frei zu halten und nur noch die zu bekämpfen, die sich aus dem Hinterhalt an ihn heranschlichen.
Den Kampf an vorderster Front konnte und musste er jetzt allein gewinnen, jetzt wo er seine Gegner klar erkannte.

Und endlich waren sie alle besiegt.
Wir verließen das Schlachtfeld Seite an Seite und blickten uns auf dem Hügel noch einmal um.
Von hier oben wirkten die Besiegten gar nicht mehr so bedrohlich, eher wie friedlich schlafende Drachen.

Ich besah seine Wunden, erkannte wie hungrig er war und bot ihm an mich an das Feuer in meiner Höhle zu begleiten."

Sie legte den Wetzstein beiseite, betrachtete ihr Schwert noch einmal im Feuerschein und wars zufrieden.

Er sah, wie sie den Stahl noch einmal mit dem Öl abrieb und sprach:
"Meine Wunden heilen langsam, aber sie heilen. Das Feuer wird mit der Zeit die Kälte in mir fortwärmen.
Und jetzt können wir unseren Hunger stillen."

Mit dem Schwert in der Hand erhob sie sich und setzte sich neben ihn ans Feuer.
Er zog das Tier vom Spieß und teilte es mit den Händen in zwei Teile und hielt ihr mit glänzenden Fingern ein Teil hin.
Das Schwert legte sie vor sich auf den Boden, so dass er die zweite Inschrift auf der Hohlkehle lesen konnte.
"Omnia vincit amor." Alles besiegt die Liebe.

Dann stillten sie Seite an Seite ihren Hunger.
Sie dachte an den Spruch, den man ihr, als sie ihr Schwert empfing mit auf den Weg gegeben hatte:

"In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas."

Im Notwendigen Einheit,
im Zweifel Freiheit,
in allem Liebe.






Sonntag, 9. November 2008 - 20:03 Uhr
naturtrüb


"Weißt du," raschelt sie im Laub, "wie das geht mit der Nähe?"

Mal hab ich geglaubt ich könnte das und hab Möglichkeiten gekostet.
Ich hab genippt, ganz probiererisch.
Ganze Gläser in einem ausgetrunken.
Und Flaschen, auch die, bis zur bitteren Neige.
Manches war süß, anderes klebrig, von einigem war ich wie besoffen.
Man kann sich ganz wunderbar von Sinnen trinken.
Aber ohne Sinn taugt alles nichts.

Man kann alles wollen, ohne Luft zu holen dabei, dann wirft man auf russisch das Glas hinter sich und tritt bestenfalls noch nackt in die Scherben. Das blutet und schmerzt eine Weile.

Oder man hat einfach nur Durst, der gestillt sein will.
Wasser, kalt und klar, in einem einzigen Zug. Das klebt nicht an einem, nach dem Durst.

Und wenn einen friert, dann braucht man was warmes, zum Rosinen rauspicken, die sind das beste daran. Nur wenn das abkühlt, weil man genug hat und keinen Schluck mehr erträgt, dann bleibt es mit bitterer Haut. Und in den Schlieren muss man sich selbst erkennen, obs einem gefällt oder nicht.

Sommerträume, mit vereisten Limetten, saugt man ein bis der Halm am Grunde den Zucker aufwühlt, lässt sie sich zu Kopfe steigen, träumt eine Weile vor sich her und stellt die Reste resigniert beiseite.
Ein bisschen bitter wenn das absinthlich ist, aber so trifft man auf Erkenntnisse, auch für sich.

Diese Rotweinromantik war mir schon immer ein skeptisch, spießiges Grausen.
Wer so trinkt könnte mehr Schein als Sein sein wollen.
Billigem Rotwein aus Wassergläsern kann ich trauen. Da kann man auch stille bei schwelgen ohne so zu tun als ob. Das hat was von früher, von nächtelang reden, miteinander. Nicht wichtig, erhaben aneinander vorbei. Unumständlich, geradeheraus.

Ich glaub, das liegt an dem Nebel und an der Zeit, das ich jetzt grade so bin. Ich möcht mich in dir vergraben, viel länger als es dunkel sein kann.
Später wenn wir unsere Hände um heißen Kakao und umeinander verschlingen, ganz ohne Absicht.

"Weißt du," sagt sie und schaut in laubnackte Bäume, schiebt dabei sich in seine Tasche, "dich möchte ich nah, wie aus einer ewigen Quelle, bis zum letzten Tropfen."


In effigie - Die Dörfnerin - fest-halten

Sonntag, 9. November 2008 - 19:51 Uhr
In effigie

Wieder und wieder trafen sie die Knüppelhiebe. Dort wo noch Fleisch war über den Knochen spürte sie das berstende Klaffen.
Aber spürte sie noch, immernoch?
Zuviel Zeit war ihr zerronnen seit dem Sommer.

Eines abends stand er vor ihrer Tür, bat um einen Kanten Brot und um etwas Wasser. Ein verloddertes Bild des Jammers und nur wer ihn bei Licht besah, konnte erkennen das unter den zerschlissenen Lumpen etwas feingeistiges steckten mochte. So empfand sie die Frage nach Brot und Wasser auch nicht als Bettelei, sondern erkannte darin eine unwiderstehliche Bitte und ließ ihn eintreten.
Im Schein der einzige rußigen Kerze saß sie ihm gegenüber und sah, wie er trotz des Hungers an sich hielt, erkannte sie doch das vornehme in ihm.
Was ihn so weit trieb fragte sie und er antwortete geographisch, wobei ihre Frage eher biographisch gedacht war.
Er erzählte von Halunken, Steuereintreibern und von bösen Gerüchten, die man zu seinen Ungunsten gestreut hatte, und wie sie ihn drohend von weit vor sich her getrieben hatten.

Mitleid ließ sie das Feuer im Herd anfachen und ihm in großen Kesseln ein Bad bereiten, wollte sie doch sehen, was sich unter dem zerrissenen verbarg. Jedes Mal, wenn sie heißes Wasser nachgoss sah sie verstohlen auf seinen schmutzigen Körper und bestaunte still seine struppige Männlichkeit.
Nach einer reichlichen Stunde entstieg er dem Bade und wirkte anders, größer als zuvor. Sie hielt ihm die Kleider ihres Verstorbenen an, ob sie wohl passen mögen.
Den Sonntagsstaat hatte sie ihm rausgesucht, dem wäre er gerade gerecht.
Aus dem Lumperich wurde zusehends ein Herr und sie fühlte wie früher, wenn der ihrige Sonntags nach dem Kirchgang ihr gegenüber saß.

Wohl auch wegen dem heimischen fühlen und der langen Enthaltsamkeit teilten sie bald schon das nächtliche Lager.
Das erste Mal war sie froh um die ferne Nachbarschaft, so sehr genoss sie sein zerren und reißen und schlagen.
Vertraulich fühlte sie und so zeigte sie am Morgen danach, was sie in den einsamen Nächten tat, mit dem kratzenden Federkiel auf vergilbtem Bütten, den sie gefunden hatte, in der alten Kiste.
Das Geschriebene war dem nächtlich erlebtem so nah, als wäre sie am Morgen noch vor dem ersten Hahnenschrei aufgestanden um es niederzuschreiben.
Mit gesenktem Kopf und versunkenem Seufzen saß er ihr gegenüber und sie wartete mit schamroten Wangen was für ein Urteil er wohl über sie fällen würde.
Er nahm sie, erst auf den Schoß und an den folgenden Tagen und Nächten überall und immer, wie es ihm gefiel.
Gezeichnet ihr Körper mit lustvollen Spuren in allen möglichen Farben.

Am sechsten Morgen erwachte sie alleine im Stroh.
Der schuftige hatte sich grußlos aufgemacht.
Sie trauerte um ihn und um ihre Schriften, die mit ihm entschwunden waren.
In ihrer Trauer hatte sie durch sein Tun genug Nahrung für neuerliches.
Und so saß sie wieder in den Nächten federkratzend bei Kerzenlicht, wenn Anständige keusch sich in den Federn drehten.

Sie hörte die Meute kommen, bevor der Hahn krähen konnte.
Nichtsahnend wähnte sie einen feierlichen Fackelzug, bis die Stimmen sich mehr und mehr erhoben.
Liderliche, Hexe, Sünderin, Schamlose, Ketzerin, drang es in ihre Hütte.
Unschuldsbewusst blieb sie, anstatt zu flüchten, bevor drohende Fäuste an das derbe Holz schlugen.
Ungläubig öffnete sie denen, die gestern noch ihre Nachbarn waren, und die betend neben ihr in der Kirchbank gesessen hatten.

Hohn und Spott schreiend trieben sie die an ihre Unschuld glaubende vor sich her. Selbst die Kinder machten keinen Halt vor unflätigen Worten und einzelne spuckten ihr ins Gesicht.
Keiner kam ihr nahe genug um ihr Fragen zu stellen, sie zu dem Ungeheuerlichen zu befragen.
Und in dieser bitterlich kalten Nacht hatten sie ihre helle Freude daran, das unterdrückte an ihr auszulassen.

Der Weg in die nächste Stadt war lang, noch länger als sonst, wenn sie Schuhwerk an den Füßen trug.
Wie die wilden Krähen umflatterten sie ihren Körper, rissen ihr die Kleider in Fetzen und nach und nach vom Leib, bis sie sich haltlos nur noch mit den Händen bedecken konnte. Wie von Sinnen umkreisten sie kreischend ihre Beute und rupften ihr im Triumpfgeheul über das Böse die Haare büschelweise vom Haupt.

Im Morgengrauen sah sie die Stadt am Horizont und flehte um Gerechtigkeit, oder wenigstens Gnade.
Aber ihr aufreglerisches Werk hatte sich herumgesprochen, waren doch vielerlei Zoten in den Wirtshäusern darüber gerissen worden.
Und manch eine Maid hatte die Auswirkungen mehr oder weniger genießen dürfen.

Die Menge erwartete die Sünderin und war mehr als bereit sie büßen zu sehen.
Ein paar wenige in der grölende Menge fragten nach dem warum und wurden mit der Aussicht des gleichen Schicksals zum Schweigen gebracht.

Nackt und kahl band man sie über dem Reisighaufen an und legte schwelende Brände am Grund.
Ein einzelnes altes Weib verlangte kreischend, man sollte ihr die Finger abhacken, damit sie in der Hölle nicht noch den Teufel verführen könne, mit ihrem unseligen Werk, woraufhin die Menge Beifall grölte.

Durch den Rauch sah sie, wie sich die Menge teilte und der Pfarrer sich näherte.
Sie solle um Vergebung flehen, für ihre schändlichen Schriften, die er nun dem Feuer übergeben würde.
Durch die auflodernden Flammen sah sie, wie sich die Ränder des Büttens schwarz verfärbten und Aschefunken ihrer Liebesschriften im wogendem Tanz in den Himmel schwebten.
Ohne verstanden haben zu können, gab sie sich um Gnade flehend der Hitze hin.

Die Menge johlte wie im Wahn, als ihre Schreie langsam erstarben.
Den einen aber, der im Sonntagsstaat eines anderen, sich ein Bündel Bütten unter den Arm schob und die Stadt verließ, den sahen sie nicht.
Der aber war auf dem Weg in die nächste Stadt, wo er glaubte die Schriften wohl an den Mann bringen zu können und im Geiste zählte er schon die klappernden Münzen.

Montag, 3. November 2008 - 21:02 Uhr
Die Dörfnerin

"Jaja, das Alter," dachte sie, während sie mit leisem puuutt-putt-putt die Körner ausstreute. Mit den Jahren hatte sie sich in Gang und Bewegung den Hühnern angeglichen.
In den staubigen Wolken zu ihren Füßen scharrten die Tiere gleichmäßig nickend nach dem guten Korn. Ihr Nicken und Knie heben im Takt schuf den Hühnern Sicherheit, auch wenn sie statt des Korns ein kleines rotes Beil in der Hand trug.
Manchmal musste es sein, dann musste etwas dran glauben, wenn schon nicht mehr sie.

Leise griff sie nach dem vertrauten Federvieh, schob es zwischen Achsel und Busen und das Tier lauschte ohne Argwohn dem Klopfen, wandte ihr den Kopf zu wenn sie streichelnd vor dem Klotz verharrte.
Dann gab es ein kurzes, klagendes Starren aus schwarzen Augen, bis sich ihre Hand darüber legte. Ohne Aufregung bettete sie das Tier auf dem letzten Lager, strich noch einmal die Gurgel entlang und hatte das Bild von etwas fleischlichem vor Augen, das ihr wieder einmal nutzlos wo hingedrungen war.
Wenn es schlimm war, dann dachte sie kurz daran, dem lebenden Tier den Kopf einfach mit den Zähnen vom Leib zu reißen, aber das hatte sie niemand gelehrt.

Ihr Atem ging ruhig, wenn sie den Arm hob und kurz den vergangenen Wunschfilm sah.
Haut und Fleisch, das sich auf sie zu bewegte, schlaff oder stramm, von Fall zu Fall.
Ihre Hand fühlte nichts fedriges mehr und beim Ausatmen schlug das Beil nicht in ein Huhn.
Den Schwanzkopf in der Hand sah sie zu, wie sich das letzte Leben noch ausflatterte, bis es mit zuckendem Flügelschlag im Sand erstarb.
Mit wenigen Griffen zog sie gekonnt das Leben aus dem Inneren und schaute einen Moment auf das noch warme Herz.
„Friss Hund, oder stirb!“
Sie rupfte ohne Brühen und der Wind blies die Traumfederhoffnungen fort, die sie einzeln seufzend verfolgte.

Für Huhn gab es bei ihr zwei Möglichkeiten.
Suppenhuhn, wenn sie ärgerlich mit sich selbst war, dann fasste sie es an der Gurgel und platsch landete es im Wasser. Dann hackte sie sich heil an Kraut und Gemüse.
Und warf später die schlabberige Haut zu den Katzen.
Und Brathuhn war ihre Wahl wenn sie zornig auf den anderen war. Dann saß sie stundenlang und sah, wie die Haut sich kräuselte und das Tier sich wand und ein wenig schrumpfte in seiner Qual.
Manchmal gab es auch so kleine pfeifende Geräusche von sich, wenn irgendwo etwas entschwand, Luft oder Fett oder Seele.
Dabei war ihr vor lauter Pein auch das ein oder andere Huhn schon gänzlich verschwärzt
Und erst wenn der beißende Rauch ihr Tränen in die Augen trieb, zu den anderen, dann stand sie auf, packte den kohlschwarzen Rest und trug das mit bloßen Händen zu der Tonne, auf den sie den scheppernden Deckel warf.

Mit den Jahren aß sie nur noch selten Hühnersuppe, bei der letzten hatte sie an Emil gedacht, der sie im Stall an die Leiter gebunden hatte, an der sonst die Ferkel hingen, die er mit zwei kurzen Schnitten von jeglichem Verlangen befreite.
Dann hatte er unter ihr Kleid gefasst und die zwei Schichten Baumwolle und Wolle bis an den Gummirand ihrer Stiefel geschoben und war unschicklich in sie eingedrungen.
Ihre Scham ob des Pulsierens in ihr war grenzenlos und am Ende säuberte er sie beide mit einer Handvoll Stroh. Die Schnitte vom struppigen Hanf verglich sie drei Tage später mit denen der Hanna und schlachtete am nächsten Tag das Huhn für die Suppe.

Aber seit dem war auch schon vieles vergangen und die Hühner wurden inzwischen merklich älter. Jetzt schlachtete sie nur noch an Sonntagen, nach dem Kirchgang, wenn am Tag vorher ein Fest im Dorf gewesen war und sie mit einem als letzte ging.
So, wie gestern nach dem Feuerwehrfest.


Suchend schaute sie nach dem Hahn.
Der stand in der Ecke vom Hock, sein Schicksal ahnend.
Aber für den Herrn Pfarrer musste es schon was besonderes sein.


Samstag, 1. November 2008 - 22:47 Uhr
fest - halten

mit der Zeit hat sich
alles so weggezweifelt
hat gewonnen an sich
sich uns durchgerungen
nichts zu verschenken
geben nichts einfach hin
und legen oder werfen
uns nichts zu Füßen
wir sollten nicht weniger
als immer alles geben
wissen an wem wir sind
kein ängstliches halten
nur frei davon kann es
wachsen und werden
sich mittig fügen
und sich finden
bei dir kann ich sein
kleiner gerne-groß
große gerne-klein
wenn ich fall
vor deine Füße
stellst du mich auf
wenn du dunkel bist
mach ich dich hell
das braucht keine
dramatischen Gesten
weils ist wie es ist

weißt du...vielleicht - Essen - Vorstellungen

Samstag, 1. November 2008 - 16:07 Uhr
weißt du ... vielleicht

Ja, es ist spät, es ist Nacht, ich weiß. Und eigentlich möchtest du lieber schlafen, aber jetzt will ich grad, dir das mal erzählen.
In schrägen Worten vielleicht, weil ich auch so müde bin.
Manchmal mag ich gar nicht dran denken, aber irgendwann wird es so sein.
Da werde ich diesen alten Koffer da unter dem Bett hervorziehen.
Ja, staubig ist er, ich zerr ihn ja auch nur selten vor.
Und dann kommt da alles mit hinein.
Die Musik und die Töne, die Bilder, auch die, die so überbelichtet immer mit mir geschlichen sind.
All die vielen Worte, die immer gesagt werden wollten.
Manche haben sich ja selbst verschluckt und andere waren einfach nicht mehr zu halten.
Aber das ist so wie mit der Zeit.
Die kam mir immer im Minutentakt abhanden.
Ob der Koffer groß genug ist?
Also wenn ich ihn mir so anschau und dann mal die Stapel, die ich mitnehmen will oder muss.
Ich weiß ja nicht, wie lange das dauert oder könnte.
Vielleicht ja auch das verwaschen Lieblingsshirt und die dicken Socken.
Vielleicht hab ich dann immernoch kalte Füße und frier morgens an den Beinen.
Gibt es da Kaffee und darf man da rauchen? Und Schokolade?
Oder stell dir vor, ich könnte da malen und hätte keinen Pinsel dabei.
Oder schreiben ohne Papier, das wäre doch...
Was man alles bedenken muss.
Bist du noch wach? Nun hör doch mal zu.
Ob die da Bücher haben?
Ich kann doch nicht all die Gedanken, aber die Erinnerungen schon, die kommen mit.
Ja doch, auch die an dich, nein die vom letzten Streit nicht, die hab ich doch längst wieder vergessen.
Vielleicht kann man da Saxophon lernen?
Oder man kann das, einfach so.
Du, jetzt schlaf doch nicht, nachher hab ich was vergessen, und dann?
Ich kann ja nicht einmal probieren ob er noch zu geht.
Da kommt ja noch soviel dazu.
Allein was da morgen noch kommt und nächste Woche und nächstes Jahr.
Aber es muss dieser Koffer sein, ich hab ja nur den einen.
Ich könnt ja ein wenig sortieren, aber wichtig ist doch im Grunde alles.
Wenn ich was nicht mitnehm, was wird dann aus mir?
Am Ende gäbs uns dann gar nicht, so wie wir jetzt, du verstehst schon.
Dann wäre ich jemand anders und du gar nicht hier.
Ich hätte dann nicht diesen Fleck und würde nicht immer beim Sitzen an dich denken.
Nein, das muss alles mit und noch viel mehr von dir und von alldem.
Ich soll jetzt auch endlich schlafen?
Ja, gute Nacht, bis morgen.



Donnerstag, 30. Oktober 2008 - 15:04 Uhr
Essen


Im Linoleumhausflurgeruch drücke ich auf die ältliche Klingel.
Wenigstens pünktlich, atme ich auf, dann öffnet sich die Tür einen Spalt und er entschwindet mit einem "kommrein".
Ich unterhalte mich, wie immer, mit dem Garderobenständer, an den ich meine Jacke hänge.
Was für ein Tag, blödes Wetter.
Nebenbei schlüpfe ich in die dicken Socken, die immer da liegen, Hausschuhe wären so endgültig, obwohl nach 3 Jahren.

Schliddernd gleite ich zu ihm an den Herd, sein Gesicht im Dampf und herrlich diabolisch beleuchtet von der Abzugshaube.
"Hey" und ein übergestreifter Kuss.
Die Nudeln dampfen schon im Sieb und er rührt etwas rot-buntes in der Pfanne, es riecht nach Bazar und verschleierten Frauen mit dunklen Augen.
"Setz dich" das heißt soviel wie Hände weg von meinen Töpfen.

Ich schiebe den Stuhl gegen die Wand und setze mich seitlich mit angezogenem Bein darauf, so sitze ich hier immer. Das Licht ist auf halbromantisch gedimmt und mein Finger fährt über den Riss im uralten Holz, gut das er kein Resopaltyp ist.
Mein Teller entschwindet und steht kurz darauf dampfend vor mir, die Nudeln unter dem rot-bunt fast verborgen.
Dann sitzt er mir hinter dem Dampf gegenüber, ich rücke mich hin und wir wünschen uns einen guten Appetit.

Im gelblich, milden Halbdunkel lasse ich meine Nase noch ein wenig fantasieren und wedele noch ein wenig mit dem alten Omalöffel über meinem Teller, bevor er eintaucht und dann in meinem Mund verschwindet.

Eine Dampflok donnert über meine Geschmacksnerven.
"Scheische schaaaf" mummele ich ihm mit vollem Mund zu, der ungerührt mir gegenüber sitzt und kaut und schon den dritten Löffel schluckt.

"Findest du?" Seine Hand greift nach einem kleinen Fläschchen und er tropft mir großzügig davon über den Teller.
Ich menge ein wenig mit dem Löffel umher, rühren wären mir jetzt zu gewöhnlich.
Hoffnungsvoll findet ein weiterer Löffel den Weg in meinen Mund und das Wort "Mistkerl" bleibt mir in der brennenden Kehle stecken.
Meine Hand greift nach dem Wasserglas und ich will nur noch dass das aufhört.

Seine Hand kommt blitzschnell auf mich zu und packt mich in den Haaren, zieht mein Gesicht bis an den Tellerrand.
"Essen!"

Bei dem Klang erstickt jedes aber in mir und ich ergreife den Löffel.
Irgendwie halbschräg gelingt es mir den Löffel in meinen Mund zu bugsieren.
Er hält mich weiter unten, isst dabei mit einer Hand unbeirrt weiter und sieht mir zu.
Ich versuche wenigstens nicht zu sabbern, während ich das Gefühl habe meine Kehle verätzt. Die Tränen tropfen in meinen Teller, aber das mildert gar nichts und die Nase läuft, was ich aber durch ständiges schniefen irgendwie retten kann.

Linsensuppe, denke ich und unterdrücke das würgend.

Wenn er wüsste was ich in diesem Moment über ihn denke, dann würde mein Teller jetzt wahrscheinlich auf den Boden wandern.
Er weiß es, ganz sicher, aber er will das ich es sage, damit ich weiß das es meine Schuld ist, wenn ich da unten bin.

Ich kämpfe mit mir und mit dem Brennen. Sein Teller schiebt sich beiseite und er beugt sich ein wenig weiter vor und mich noch ein wenig weiter hinunter. Etwas von der Soße schmiert sich an meine Wange, jetzt sehe ich auch noch so aus wie ich mich fühle.
Ich schätze ab, noch drei Löffel.
An den Haaren zerrt er mich zu sich und auf den Boden zwischen seine Beine.
"Nachtisch?"

Mir brennt die Seele, jetzt heule ich wirklich und ich mache mich an seinem Reißverschluss zu schaffen. Lieber würde ich jetzt kämpfen um meine Reste, aber dafür bin ich viel zu weit unten.
Er hat mich fest im Griff, weil er weiß wo er ansetzen muss.
Schniefend und heulend öffnet sich mein Mund und ich will mich nur noch an ihm festsaugen, da reißt er mich hoch und seine frei Hand landet in meinem Gesicht.

"Bist du wahnsinnig? Denk doch auch mal an mich, denk doch nur einmal nach bevor du was tust."

Das macht mich noch kleiner und ich robbe schutzsuchend mit dem Rücken an die Unterschränke, wische mir Rotz und Tränen in die Ärmel.
Er steht ungerührt auf und verschwindet aus meinem Blick und spült die Teller grob ab.
Mir fällt die Soße wieder ein und ich versuche meine Lächerlichkeit zu retouchieren, schniefend betrachte ich den Fleck und frage mich ob das wieder rausgeht.

Seine Beine umwandern mich und das Kühlschranklicht schiebt sich über den Boden.
Dann berühren seine Schienbeine im Schneidersitz meine Beine, die ich schützend um mich gezogen habe und er hält mir ein großes Glas Milch hin. Er wartet bis ich laut schluckend alles ausgetrunken habe, dann fährt sein Daumen über meine Wangen und verwischt die Tränen mit dem Rest Soße.

Wir treffen uns in den Augen, grinsend halte ich ihm mein Glas hin:
"Mehr!"


Freitag, 24. Oktober 2008 - 01:42 Uhr
Vorstellungen


feudal

wäre ganz wienerisch in einem Cafe zu sitzen.
Ein zwölftel Sachertorte auf weißem Porzellan, dazu oanen Deeee, wie der Wiener sagen würde.
Die viel zu kleinen Gäbelchen, mit dem rosengoldenen Muster, wobei das Gold nur noch zu erahnen ist, so oft hat es Dina, die polnische Tellerwäscherin mit den großen Brüsten, schon durch die Spülmaschine gewaschen.
Während sie auf den Trockengang wartet träumt sie davon, selbst einmal vorne zu sitzen, bei den feinen Leuten, wie sie denkt. Dann würde sie auch Sacher bestellen, aber dreizwölftel oder besser ein ganzes Viertel und oan Kaffeeee, weil Tee immer so Ränder macht und die muss man hernach immer heftig schrubben. Davon träumt sie beim Trockengang und auch zuhause, was kein zuhause nicht ist, weil ein Zimmer zu viert, da kann man nicht wirklich zuhause sein.
Aber zurück zu den beiden am Tisch, die sitzen gerade im Kreuz, weil nichts sie beugt in ihrem Leben. Vielleicht kennen sie sich, oder sind fremd, was aber den Verlauf nur unwesentlich beeinflusst.
Sie plaudern a weng übers Wetter und verhaspeln sich kaum im Draadsch. Sie trägt Spitze, weiß, drunter und drüber, er einen Bart zum englischen Tweed.
Er macht ihr ein paar nasale Komplimente, woraufhin sie ein wenig scharrt mit den Füßen und dort verlegen zupft wo alles perfekt sitzt.


frivol

wäre, denkt sie, wenn sie nichts drunter tragen würde unter der Spitze.
Wenn er jetzt, anstatt ihr zu komplimentieren, auf ihre rosa Knospen starren würde. Dann würde sie, ganz Dame, sich an den Godetsaum fassen und den Stoff über ihre Schenkel legen, die Knie so spreizen das er ihre Lust riechen könnte. Er würde vielleicht seinen Gehstock nehmen und ihr damit die Schenkel innen streichen, bis ganz hinauf und ein wenig hinein. Sie müsste die Knöpfe der Bluse öffnen und er würde ein wenig verspielt an ihr zupfen. Auf dem Heimweg würde er eine einzige Rose kaufen um später damit ihr zartes Hinterfleisch zu bearbeiten, das sie ihm, mit erhobenem Rock, über den Chippendaletisch gelegt, präsentierte.

skurril

wäre, denkt er, wenn sie mein braves Tierchen wäre und mit der schwarzglänzenden Maske mir gegenüber sitzen würde.
Ich könnte sie unter den Tisch befehligen, wo sie zwischen meinen Knien sitzen dürfte und ganz vergnüglich an mir sein müsste. Und jedes Mal wenn sie dabei mit den Zähnen, oder sogar mit dem Kopf gegen den Tisch, dass das Geschirr scheppert, dann würde er eines von den Zahnhölzchen nehmen, es ordentlich an der Tischkante aufgereiht, mit den anderen in eine Reihe legen.
Und wenn sie ihn wieder gesäubert und einversteckt hätte, dann müsste sie aufstehen und reumütig sich über das gestärkte Weiß des Tischdeckendamasts beugen. Er würde ihr den Rock nach oben schlagen und dann sie, mit der Gerte mit dem ziselierten Griff. Und sie würde bei jedem Schlag eines der Hölzchen nehmen und es wieder zurücktun in das Silbergefäß.
Und nach dem dritten Schlag hätten sich alle umgedreht und würden einer nach dem anderen laut mitzählen, wie sie langsam von hinten errötet.
Und dann würden sie eine Zugabe verlangen, weil er so ein Meister mit seinem Werkzeug ist.
Und alles, alles würde enden in einem Riesenapplaus mit standig ovations und zugeworfenen Blumenbouquets.
Und er würde sein Tierchen herumschicken mit ihrem Schleierhütchen, müsste sie kriechen und Tisch um Tisch um eine milde Gabe betteln.
Und jeder der etwas verspürte, der dürfte dann auch, für den ein oder anderen Schein.
Dann würde sie brav wieder zu ihm kommen und er würde das Geld nehmen und es der Dina mit den großen Brüsten in die Abwaschküche bringen. Die würde sich verschwitzt die Haare von den roten Wangen streichen und er dürfte einmal sein Gesicht in ihr vergraben.
Mit ihrem Geruch noch im Bart würde er sein Tierchen an die Leine nehmen und an der Tür würden sie sich noch einmal umdrehen und sich verneigen.

"Frollein, zahlen bittschön!"
Großmännisch legt er ein Trinkgeld obenauf und hilft ihr galant in den pelzbesetzten Mantel.
Jetzt noch ein wenig Fiaker-Romantik, dann würde sie wohl wollen mögen zur Nacht. Vielleicht sollten sie noch wo so eine Gerte kaufen.



unten rund - BLUES grande - apfelbaum

Donnerstag, 23. Oktober 2008 - 11:02 Uhr
unten rund


mach mich rund
mit einem einzigen Schlag
weil du das kannst
mich so ins unten schmettern
das es tagelang bleibt
und auch nach Wochen
noch nachhallt
da hab ich gut von
sehnsüchtiger Farbverlauf
die Seele ficken
das ist für Erdbeergeister
ramm deine Faust
mir tief, bis ins Hirn
da lechz ich nach mehr
will spüren wie du dich gräbst
durch meinen Venushügel
an den Nerven schabst
und wenn deine Faust
meine Seele packt
will ich schreien
komm
her



Montag, 20. Oktober 2008 - 19:04 Uhr
BLUES grande

einfach nur so sitzen
im irgendwo
den Hut im Gesicht
den Regen im Kragen
Saxophon im Kopf
Sturm der reisst
an mir an allem
Eisregen innerlich
das brennt und beisst
ganz oben in der Kehle
will sich Wege bahnen
heut mag ich nicht
nicht mich und auch sonst
die Maske passt heut nicht
alles klemmt
bis auf dies dumpfe
das da so rollt in mir
an Ufer schlägt
das will raus
sich weinen lassen
später wenn es dunkel ist
wenn sich alles mischen kann
der Regen und das Seelennass
das Dunkel mit dem Fühlen
heut mag ich nicht
heut kann ich nicht
sax and piano
what can I do
Endlosschleife
einfach so all das
ohne im speziellen
zerschellt im mittendrin
das geht vorbei gewiss
morgen
hängen wieder Geigen




Samstag, 18. Oktober 2008 - 22:24 Uhr
apfelbaum


heut häng ich mich
in meinen apfelbaum
der erkenntnisse
vom leben an sich
vom sterben
von versprechen
vom frau sein
von schwächen
und stärken
von träumen
und zukunft
vielleicht
ankommen
mit einem zug
in 2 gleisen
eine möglichkeit vielleicht
für einen anfang
blitzgedanken
schreiben
die äpfel verteilen
und dann schlaf
und ein break im hirn
jetzt würde ich gerne nur sein
mit dir
ein wenig spinnen
in deinem arm
die fahrkarte hast du
schon längst in händen
laß uns direkt
über streuobstwiesen segeln
jetzt riecht es da süßlich
ich will
und noch viel mehr

hörst du-mich? - irrtum-monolog - Treibjagd

Samstag, 11. Oktober 2008 - 12:45 Uhr
hörst du - mich?


irgendwo in der oberen Mitte
da sitzt es
und fühlt sich durch mich durch
ganz warm
es kriecht nach oben
immer weiter
sitzt mir in der Kehle
und nagt von innen an den Lippen
es will raus
gesagt, gehört werden
unerwartet
nein, du musst nicht,
nicht wenn es nicht ebenso fühlt
in dir
aber ich, ich muss
bald
bevor es in mir birst
es reisst an meinem Innern
sehnsuchtsvoll
es ballt sich zum Schrei
unaufhaltsam in mir
hörst du?
weißt du?
dann ist es gut


Freitag, 10. Oktober 2008 - 17:13 Uhr
irrtum - monolog


Ach, du hast wirklich geglaubt, das wäre alles nur ein Spiel?
Erinnerst du dich noch an unser erstes Telefongespräch?
Da sagte ich dir, ich würde nicht spielen!
Tja, du hättest aufmerksamer sein sollen, mir besser zuhören anstatt nur dumm zu kichern.
Aber dir war es ja wichtiger mir zu erklären wie du deine kleine, begrenzte Welt siehst.
Mir all deine Kleinmädchenträume zu schildern und deine Wattebauschfantasien.
Hättest du hingehört, dann wäre dir nicht entgangen das ich gesagt habe, dass mich das alles nicht interessiert.
All deine Tabus, die du mir aufgezählt hast, wer soll sich das denn alles merken?
Ich bitte dich! Wenn du 3 oder 4 wirklich relevante genannt hättest, die hätte ich vielleicht akzeptieren können. Da hättest du auch nichts zu erklären müssen.
Aber was interessiert es mich, warum du dies und jenes nicht willst?
Hattest du nicht gesagt du würdest alles machen was ich will?
Das habe ich doch richtig verstanden, oder?
Nun, das habe ich sowieso vorausgesetzt, weil ich dir keine andere Wahl lasse.
Ja, richtig, du wolltest mir absolut vertrauen.
Das ist ja auch gut so und war auch beabsichtigt, sonst hätte ich dich ja nicht in diese missliche Lage bringen können, in der du dich jetzt befindest.
Tja, mein Mädchen, ich bin Sadist.
Und zwar nicht so ein weichgespülter, mit ein wenig SM -Romantik.
Deine Schreie und das Geschluchze hat mir wirklich Freude gemacht.
Und du hast anfangs wirklich noch geglaubt es ginge hier um dich, um deine Befriedigung, deine Lust?
Weißt du, ich liebe es, wenn sie nach dem ersten Schlag schon gleich anfangen zu wimmern dass ich aufhören soll, da hab ich dann erst richtig Vergnügen.
Und das steigert sich mit jedem weiteren Schlag.
Ja, wenn ich sie erst einmal soweit habe, das ich sie hier an meinem Haken hängen habe, dann gibt es kein zurück mehr.
Und bis jetzt waren sie alle wie du und haben geglaubt ich würde spielen.
Das schönste war für mich immer wenn sie ohnmächtig wurden und ich sie mit Strom wieder zu zuckendem Leben erweckt habe.
Weißt du, wie befreiend es ist, wenn man sich irgendwann mal wirklich zugesteht so zu sein, wie man ist?
Man muss sich einfach keine Gedanken mehr machen um Sicherheit und Gefühle.
Man muss einfach nur jemanden finden, der einsam und neugierig genug ist.
Ich werde jetzt noch eine Weile hier sitzen und mich rauchend an deinem Anblick erfreuen und dann bringe ich dich zu den anderen.


Mittwoch, 8. Oktober 2008 - 07:42 Uhr
Treibjagd

Die Rahmenbedingungen waren nüchtern in wenigen Sätzen festgehalten und sie hatte sich einverstanden erklärt.

Bedingungen:
Es gibt Jäger und Beute, jeder hat nur eine Wahl und fügt sich.
Keine Rechte innerhalb des zeitlichen Rahmens, danach keine Klagen.
Alles ist erlaubt, unabhängig von den handelnden Personen.
Abbruch und Notruf nur in Notsituationen.
Wege sind für die Beute tabu.

Die Frage hatte sich nicht gestellt für sie, sie zählte zur Beute.
Die nötigsten Dinge im Rucksack verstaut, war sie aufgebrochen.
Am Haltepunkt sollte sie mit verbunden Augen warten, man würde sie abholen.
Sie bog um die letzte Kurve und sah die Hütte verlassene im Regen.
Anhalten, den Motor ausstellen und ein Griff zum Rucksack,
dann saß sie wartend da, lauschte dem Regen.
Gedanken wollten sich einstellen, da knirschte es unter ankommenden Autoreifen.
Autotüren klappten, man packte sie, schob sie grob auf die Ladefläche eines anderen Wagens.

Während der Fahrt spürte sie das Blech unter sich vibrieren.
Zeit spielte schon jetzt keine Rolle mehr, Orientierungslosigkeit war das Ziel.
Irgendwann anhalten, wieder zupackende Hände die sie auf den Boden warfen, der Rucksack traf sie an der Schulter.
Soweit so gut, blieb sie eine kurze Weile liegen.
Als kein Motorengeräusch mehr zu hören war nahm sie die Augenbinde ab, klaubte sich das feuchte Laub aus den Haaren und lauschte dem Regen.
Sie sollte aufstehen, sich bewegen, weg vom Weg,
sonst würde alles enden bevor es richtig begann.
Die Beine zitterten aufgeregt, laufen würde helfen, beruhigen.
Wem würde sie begegnen, was würde geschehen?
Mit den Schritten gingen die Gedanken auf die Reise.
Tiefer in den Wald, näher zu sich selbst vielleicht?
Eins werden, zur Beute werden, animalisch.
Nicht mehr lange und es würde wohl dunkel werden.
Aber noch war Zeit.
Zeit sich auf den Baumstamm dort zu setzen.
Heißen Tee trinken, rauchen.
Morgen um diese Zeit wüsste sie mehr, 24 Stunden.
Das hieß auch die Nacht im Wald verbringen.
Aushalten, egal was.
Weglaufen, oder sich ergeben?
Was hatte sie nur dazu getrieben?

Sie hatte ein wenig auf so etwas wie einen goldenen Herbst gehofft, aber nun prasselte der Regen seit Stunden.
Das würde kein Spaziergang werden, weder so noch so.
Den letzten Schluck Tee und dann weiter.
Die schweren Stiefel waren eine gute Entscheidung gewesen.
Langsam wurden die Bäume zu Schemen, volle Konzentration auf den Untergrund.
Plötzlich ein Schrei von irgendwoher der abrupt wieder abbrach.
Beute gemacht.
Was wenn es so weit war?
Gerne hätte sie jetzt Kampfgeräusche gehört und vielleicht ein Lachen.
Die Stille ließ sie den Kopf in den nassen Kragen einziehen.
Klein machen, unsichtbar in der Nacht.
Weitergehen, auf den Boden achten, nicht auf die Baumgestalten.
Hinter jedem Baum könnte einer stehen.
Ausweichen nicht möglich.
Aber auch keine Garantie auf das Unausweichliche.
Etwas flog lautlos an ihr vorbei und sie verhedderte sich strauchelnd im Brombeergestrüpp.
Dornen verhakten sich in der Haut und rissen kleine blutende Wunden.
Minuten später griff etwas nach ihrem Bein und warf sie zu Boden.
Sie warf sich kampfbereit herum und bemerkte dabei das es nur eine Wurzel war.
Nur einen Moment liegen bleiben, den Regen im Gesicht.

Verfluchter Regen, alles nass, schwer und kalt.
Schutz suchen, dort drüben unter der großen Baumwurzel vielleicht.
Ja, das würde gehen, wenn sie ganz nach hinten kroch.
Nur warten bis der Regen aufhören würde.
Und einen Moment die Augen schließen.

Etwas packte sie an den Füßen, zerrte sie aus ihrem Versteck.
Unweigerlich wehrte sie sich, das Adrenalin sagte ihr: kämpf!
Ihr Körper drehte sich als sie mit den Beinen strampelte,
so auf dem Bauch hatte sie keine Chance.
Das kalte Laub kroch unter hochgeschobene Stoffschichten.
Ein dritter packte ihre Arme und hinderte sie am Schreien.
Alles ging schnell, als wenn sie Übung darin hätten.
Worte waren unnötig, jeder wußte wo er ziehen, zerren und halten mußte.
Und das gewollt ungewollte geschah ganz routiniert.
Dann ließen sie sie liegen und blieben noch auf eine Zigarettenlänge, bis sie sich wieder aufrappelte und ihre Kleidung wieder ordnen konnte.
Gesichtsschemen zeigten sich im Zigarettenglutrot und eine nach der anderen verlosch im feuchten Laub.
Sie war wieder allein.
Jetzt sich wiederfinden in den verstörten Emotionen.
Laufen würde helfen.
Einfach weiterlaufen, bis die Tränen besiegt waren.

Hinundhergerissen zwischen grausam schön und schön grausam.
Ungewollt ungewollt wäre nur grausam gewesen.
Jetzt hatte sie eine Ahnung von dem Gefühl.

Zu spät hörte sie die Schritte hinter sich und als sie anfing zu rennen war es nur eine kurze Flucht.
Er warf sich mit einem Sprung, der sie zu Boden warf, auf sie.
Kraftlos, wehrlos, ein Arm um ihre Kehle, das Gesicht auf dem Boden
und sein Gewicht auf ihrem Körper.
Kein Kampf, keine Signale möglich.
Waren wirklich nur eingeweihte unterwegs in dieser Nacht?
Die Sinne tauchten langsam in rote Schwaden von Angst und Aufgabe.
Plötzlich ließ er von ihr ab und ging davon.
Alles war erlaubt.

Jetzt war es genug für eine Nacht.
Kriechend zum nächsten Baum und auf das erste Licht warten.
Den nicht mehr ganz heissen Tee trinken und ein wenig nachdenken über das warum.
Irgendwann waren die ersten Vogelstimmen zu hören, der Regen hatte nachgelassen.
Noch ein paar Stunden Zeit in Deckung zu gehen und den Weg wiederzufinden.

besoffen von dir - Der Leierkastenmann - zwischen den Zeilen

Montag, 6. Oktober 2008 - 00:55 Uhr
besoffen von dir


das dreht sich
in mir
um mich
um dich sowieso
das denken
das fühlen
das sein
und das werden
im vielleicht
und im jetzt
gefühlsschwindelig
flüstere ich dich
und manchmal fließt es
über
auch über die Lider
dieses Glücksgefühl
ich könnts in die Wolken malen
mir in die Haut brennen
dir auf den Leib schneidern
und auf den Schnittmusterbögen
spiele ich dir Symphonien
ach ach
glückstrunkene Lieder
ich sing sie dir alle
und die Zweifel
spülen wir mit Wodka fort
und nach dem zweiten Stück Schokolade
trag ich alle Konsequenzen
schon lang nicht mehr so
und noch nie
auf diese Weise


Sonntag, 28. September 2008 - 22:20 Uhr
Der Leierkastenmann


Jeden Freitag Nachmittag stand er auf dem Hof, das gehörte zu einer ihrer ersten Erinnerungen.
Er trug einen schwarzen Anzug und eine Melone, auf dem Leierkasten saß ein Plüschaffe der ein wenig hin und her wackelte bei den Kurbelbewegungen.
Jeden Freitag saß sie am Fenster und wartete, bis endlich die Musik auf dem Nachbarhof zu hören war, dann rief sie aufgeregt: "Er kommt!"
Es klang immer ein bisschen schräg und manchmal wünschte sie sich, er würde auch einmal dazu singen.
Aber das tat er nie.
Er kam still auf den gepflasterten Hof geschoben, stellte sich unter das Fenster, lüpfte kurz den Hut für niemanden und dann begann er die Kurbel zu drehen.
Die alte Frau stand hinter ihr, in der Hand ein Stück Papier und darin eingewickelt zwei Groschen.
Sie warteten immer bis die Musik verklungen war, dann wurden die Fensterriegel geöffnet und wortlos die eingewickelten Groschen in Richtung des Leierkastens geworfen.
Der Mann musste sich nur selten mehr als 2 Schritte bewegen, bückte sich, sammelte das Papier auf, sah nach oben, zog den Hut und hielt ihn sich vor den Bauch:
"DankscheedieDoohme!"
Seine Stimme leierte ähnlich wie sein Instrument, und meist war das Fenster schon fast geschlossen, bevor sein Dank zuende ausgesprochen war.
Als sie etwas größer war durfte sie ihm alleine die eingewickelten Groschen hinunterwerfen. Wieder die gleiche Prozedur, aber jetzt sagte er:
"DankscheedasFrolleinsche!"
Sie klatschte noch kurz in die Hände und schmetterte ihm ein "Bitteschöndankeschön!"
entgegen.
Irgendwann war die alte Frau nicht mehr da und mit ihr verschwanden auch viele andere Dinge.
Der Geruch der Waschküche, den sie liebte, wenn dort einmal die Woche Feuer gemacht wurde und der ganze Hof nach Wäschesuppe roch.
Stunden später, wenn die Wäsche lange genug gerührt und gerubbelt worden war hing sie nach Seife duftend an der Wäscheleine.
Wenn man vorsichtig genug war, dann konnte man sich darin unbemerkt verlieren.
Bohnerwachs und Schmierseife blieben ihr ebenso im Gedächtnis haften.
Der Geruch von Kohlenstaub und klammen Bettfedern und das Geräusch, wenn morgens die Asche gerüttelt wurde.
Das Quietschen der Straßenbahn wenn sie um die Kurve fuhr oder anhielt.
Und Amerika war ein verwilderter Hanggarten.
Manchmal wurden abends auf dem Laken auch die mitgebrachten Flöhe gesucht.
Und für einen Groschen konnte man das Meer überqueren.
Das roch auch immer so, ein wenig brackig, weil das Meer eigentlich nur ein Hafen war und eine Abkürzung.
Das Meer blieb ihr, dort lernte sie schwimmen, Bier trinken und wie es sich anfühlt wenn man nachts nackt im kühlen Sand wühlt.
Seetang im Winter bei Sturm war auch so ein Geruch.
Manchmal war sie jahrelang nicht dort, aber ganz weg war sie nie.
Sie wusste, das Meer würde bleiben, darauf war Verlass.
Vieles andere verließ sie im Lauf der Jahre, und umgekehrt.
Die Melodien und Rhythmen änderten sich ebenso.
Längst schon war kein Leierkasten mehr zu hören.
Wer bückte sich noch für zwei Groschen oder neigte das Haupt vor wem?
Die Gesten wurden protziger mit den Jahren, Ellbogen zählten als das wesentliche.
Wer demütig auf die Knie sank, der kam auf die Titelseiten, auch wenn er Willy oder Theresa hieß.
Das waren Gesten, die sie den Atem anhielten ließen, mehr als alles großpoltrige Geschrei.
In den Kopfbildern sah sich selbst oft so, aber der Knoten brauchte lange, sich zu lösen.
Da waren Bilder und Gerüche schon längst aus dem letzten Jahrhundert.
Der Leierkastenmann war längst schon tot.
Manchmal hörte sie ihn noch beim telefonieren.
Und dann kamen all die Bilder und Gerüche wieder.
So ein Leierkasten, das wäre ein Traum.
Man hätte am Abend Groschen für das nötigste und der Affe wäre lebendig und hieße Herr Nilsson.
Und man könnte den ganzen Tag immer wieder auf die Knie sinken und keiner dächte sich etwas dabei.
Zufrieden mit sich und allem könnte man abends die Groschen zählen und Türme davon bauen.
Und jeder Turm wäre ein Traum für sich, hätte seine Zuordnung zu den Dingen.
Groschenträume mit dem Leierkastenmann und er würde den Hut vor ihr ziehen, wenn sie vor ihm auf die Knie sank.
"Dankscheefürdasdudabist" würden sie beide denken und sagen.





Samstag, 20. September 2008 - 02:42 Uhr
zwischen den Zeilen


herbstlicher Sternenhimmel
so nutzlos, allein
Halbmondorange zwischen den Bäumen
sieht mich steigend an
Gänse ziehen im Dunkel vorbei
Schlafplätze, die braucht man
der Sekt schmeckt schal
Fragen haben Zeit, die wissen
wann sie gestellt werden wollen
Bilder in unseren Köpfen
von dem was war
und vom irgendwann
Möglichkeiten vorstellbar
Sehnsucht legt sich
wie Spinnweben um mich
und ich krieche mit den Gedanken
an dich unter meine Decke
deine liegt noch so als ob
manches muss nicht gesagt sein
das hängt zwischen den Zeilen
und trägt sich von selbst





Reizflutwelle - Das Will - nachts


Reizflutwelle

Die Vögel singen lauter,
das Licht ist heller,
die Straße schneller,
das Leben lebendiger,
die Farben bunter,
das Wachsein wacher,
das Jucken kratziger,
die Zigaretten rauchiger,
kein Geschmack,
kein Gehör,
keine Sicht,
keine Worte,
kein Gefühl,
ohnmächtig schlaflos.
Merkt man eigentlich
wenn man langsam
verrückt?

11. September 2008



Das Will


Frühstück, sie saß ihm nah gegenüber,
eigentlich gab ein Wort nur das andere
und dann sie eins zuviel
und einen trotzigen Blick
sie hätte es kommen sehen können
aber er war schnell und konsequent
ihr Kopf flog zur Seite
in Zeitlupe sah sie den Kaffeebecher fallen
blechernes Scheppern und brennende Röte im Gesicht
Zorn traf ihn durch einen Wust von Haaren
ein Blick wie ausgefahrene Krallen
genug jetzt, Konsequenz
sein Griff ringt sie zu Boden
kurz flammt ihr wehrhaftes auf
jetzt gerade kann sie nicht kampflos sein
da wird ihr bewusst was geschah
schluchzend wird sie klein und rund
und fühlt gerade das unten sein
jetzt bloß keine Gnade
dafür ist später noch Zeit
wenn sie ausgefühlt hat
sie wird weich unter ihm
tastet nach Halt an seinen Füßen
und wimmert sich warm an ihn hin
er wollte noch... aber das ist jetzt egal
jetzt wo sie da ist
und ist was sie ist



7. September 2008




nachts


die Nacht vor halbvollen Gläsern
da öffnet es sich so leicht
da kann man lassen
den anderen hereinlassen
und zulassen
selbst Tränen fließen leichter
Gedanken gehen auf anderen Wegen
finden Abkürzungen auf verschlungenen Pfaden
selbstvertrunkene Erkenntnisse öffnen sich weit
unausgesprochenes wird endlich laut
nachts ist alles stiller und kleiner
Masken fallen wie von selbst
der Einsame findet Freunde
der Laute wird plötzlich ganz still
nachts sind wir alle gleicher
und die Wunden werden tiefer
verborgenes tritt aus sich selbst heraus
auf den Tischen singt man traurige Lieder
da kann man auch mal beruhigt zusammenbrechen
am Morgen ist alles verziehen
und die vergossene Träne längst nicht mehr wahr
fremde Freunde längst wieder vergessen
da ist man wieder wer
Samstag, 6. September 2008 - 00:11 Uhr

Flaschenpost - Voll-macht - Hinter dem Spiegel

Flaschenpost

Heimliche Worte im stillen
Gedanken
verträumte
auf die Reise geschickt
an einem steinigen Strand
weit hinaus ins Meer
geworfen
hoffnungsvoll
losgelassen
lass ich sie treiben
in einen Sommer der noch kommt
und noch viel weiter
in andere Sommer
um irgendwann
dort wieder zu stehen
und mit zittriger Stimme zu sagen
ja, du warst es
und es ist noch immer so.

august 2008


Voll-macht

Es brodelt
es juckt
es brennt

es will
mehr
leben
lieben
leiden

pausenlos
schlaflos
zeitlos
hemmungslos
grenzenlos

neidlos
anspruchslos

loslassen
fallenlassen
sehnsüchtig
lichterloh

Gedanken
zwischen den Zeilen
lesbar
lebbar?

Das Leben
schleudert mich
wahnsinnig
durch sich
durch dich
haltlos

ruhelos
halt mich
fester

manchmal
Tränen
machtlos
wegen Überfüllung geschlossen

august 2008


Hinter dem Spiegel

Wer wäre ich, könnte ich durch mein Spiegelbild dahinter sehen?
Was bleibt und bliebe da noch von dem ich?
Welch verzerrter Fratze könnte ich dort begegnen?
In meinem Anblick versunken, was sehe ich?
Wenn da nichts bleibt, nach der allerletzten Häutung, nach der schlussendlichen Wandlung?

Knie nieder und ertrage:
mich.

Was denkst du wohl, warum ich nicht nach Tabus und Grenzen frage?
Weil ich es nicht wissen will, weil es nicht gilt, dahinter.
Nur meine Wille zählt dort und ich bin grenzenlos darin.
Du jammerst und flehst um Gnade.
Winsel du nur, das reizt mich nur noch weiter.
Ich will dich brechend unten sehen.
Ich werde dich binden, bewegungslos.
Dich schlagen, gnadenlos, blutig, wenn es mir gefällt.
Meine Zeichen wirst du ewig tragen.
Deine Seele werde ich fressen, bis ich gesättigt bin.
Deine Ängste, mein Lebenselixier.
Geknebelt verhallen deine sich übersteigernden Schreie.
Der Wahnsinn in deinen Augen lässt mich lachend immer höher fliegen.
Ein Nichts bist du unter meiner Macht.
Ich würde keine Ruhe finden bis nur noch eine seelenlose Hülle bleibt.
Tabula rasa.
Alles Leid, aller Zeiten, alle Wut, alle Tränen ließe ich dich weinen.

Würde ich hinter den Spiegel treten,es bliebe nichts von mir.
Meinetwegen, deinetwegen ... Ja, auch mir macht das Angst.
Fest verschließe ich diese Tür, versenke den Schlüssel
direkt in der dunklen Mitte eines tiefen Sees.
august 2008

Irrgarten - Flugrost

Irrgarten

Undurchschaubar
hohes Heckenimmergrün
gewachsen um die Mitte
in der geschwungen
eine mit blättrigem Lack
alt gewordene Bank
etwas eingesunken wartet.

Darauf ein Ego sitzt
angelehnt im Sein
und wartet mit wippendem Fuß,
das einer kommen möge,
der nicht wie andere Helden
brav nach dem Weg
und einer Lösung sucht
und sich darin verwirren lässt,
sondern sich
mit der Heckenschere bewaffnet
und den direkten Weg
geradeausstürmend
direkt auf es stürzt.

Und es packt
und zerrt
und greift
und bindet
und schlägt
und weinen macht
und zetern
und jammern
und keine Gnade kennt
und es auf die Knie bringt
so ganz von selbst
bei alledem.

August 2008


Flugrost

Das haftet von nirgendwoher, bildet sich aus dem Inneren.
Niemand ist wirklich schuld.
Ein bisschen Feuchtigkeit aus dem Irgendwo bildet eine Symbiose mit dem ehernen.
Und nur mit Mühen ist das Bild glänzender Ketten wieder herzustellen.
Rostiges Eisen mit dem Geschmack bitter blutiger Tränen.
Zunge und Gedanken bleiben an dem warum haften.
Es müht sich quälend durch die Ignoranz.
Fragt nach dem Punkt von wann.
Doch bleibt es flugrostig haften.
Setzt sich fest und auch tiefer.
Warten bis es blättrig zu Boden bröselt,
oder die Wunden mit drahtbürstigen Strichen reinigen.
Die Haut befreiend aufschürfen und sich schälen.
Sich häutende Gefühle bis in die schmerzenden Schichten.
Eine glänzend, strahlende Lackschicht als Alternative?
Da erscheint mir der stumpfe Rost doch um einiges werter zu sein.
Daran kann man haften und wachsen.
 
august 2008

Von Fischen und Schiffen

Ein großes weißes Blatt und ich malte darauf in bunten Farben, vergaß auch die Bullaugen nicht und drapierte ein paar Möwen dazu.
Und auf die Frage was das denn wäre, sagte ich "Fisch!"
Das wäre doch aber kein Fisch, sondern ein Schiff.
Damit war ich dann auch einverstanden.
Ich ließ mich gerne eines besseren belehren.
Dann malte ich ein Tier das im Wasser schwamm, ein blaues Tier in blauem Wasser, mit Flossen und einem Schwanz und behauptete das wäre ein Schiff.
Und wieder wurde ich korrigiert, das wäre doch ein Fisch.
Auch diese Aussage nahm ich klaglos hin.
Aber wie konnte man nur zwei Dingen aus dem Wasser so ähnliche Namen geben.
Später lernte ich die Worte zu schreiben und hatte noch immer nicht die richtigen Bilder dazu im Kopf.
Der Fisch vorwärts war rückwärts doch fast ein Schiff, das überhängende f fand ich damals noch nicht so wichtig.
Irgendwann hatte ich dann raus das man Schiffe nicht essen kann und merkte mir den Unterschied, obwohl ich auch keinen Fisch aß.
Egal, irgendwelche Brücken mussten her.
Solche Brücken würde man noch brauchen können im Leben.

Allein zu sein ist nicht das gleiche wie Einsamkeit, auch wenn man Einsamkeit nicht essen kann.
Sie macht einfach nicht satt.
Hunger ist nicht das gleiche wie Sehnsucht, dafür kann Sehnsucht viel zu gut schwimmen.
Und man kann in ihr untergehen.
Liebe ist nicht das gleiche wie Hoffnung, und Hoffnung nicht das gleiche wie Wissen.
Man kann Hoffnung mit noch so viel Liebe füttern, am Ende weiß sie doch alles besser.
Vielleicht sollte man ohne zu hoffen lieben, nur um des wissens willen, dass da Gefühl ist.
Gefühl das Ruhe gibt und dem es egal ist ob es am Ende Fisch oder Schiff ist.
Ich sollte wieder dorthin zurückfinden wo ich als Kind schon war.
Dort wo ich die Aber-Erklärungen der anderen einfach hinnehmen konnte.
Das "aber" ist die Waffe der anderen, die nicht glauben können oder wollen.
So viele liegen schon hinter mir.
Ich sollte einfach wieder behaupten das ein Fisch auch ein Schiff sein kann, nur weil es sich gerade so anfühlt.

juli 2008

Mit unerbitterlicher Leichtigkeit - Pausenton - Zieh dich aus

Mit unerbitterlicher Leichtigkeit

Da ist etwas leises
das spürt sich warm
in mich hinein
lässt mich wie
träge schmelzendes Eis
in mich hineingleiten
an sich hinab.
Es ist bewusst
einfach vorhanden
handelt nicht
sondern wirkt.
Ich verkriech mich in mich
und werde ganz offen dabei.
Das braucht keine lauten Töne
um mich in sich einzuhüllen.
Es muss nicht einmal
mit Taten beweisen
und Macht demonstrieren.
Ich spürs an jedem
aufgestellten Häärchen
wie es mich
in seinen Bann
ihm zu Füßen zieht.
Dort kann ich ruhend
selbst-verständlich
sein.

Juli 2008


Pausenton

Kennt das noch jemand? Diesen langen Pfeifton, den es früher mal im Radio gab wenn eine Sendepause war.
Ich konnte stundenlang sitzen und auf diesen Pfeifton hören.
Gerade jetzt könnte ich auch so ein Pausenzeichen gebrauchen.
Mich hinsetzen, versinken in meine ganz eigene Welt und nichts mehr müssen, wahrnehmen.
Manchmal ist die eigene Konsequenz viel härter zu ertragen als das Umgehen damit.
Schmerz zufügen und das Wissen darum und den eigenen Schmerz aushalten.
Wissen das es eine Weile dauern wird mit sich selbst wieder ins Gute zu kommen.
Auf dem Schlachtfeld zu stehen und zu erkennen welch tiefe Wunden man geschlagen hat.
Dabei bin ich doch eigentlich Beziehungspazifist.
Aber bei dieser Schlacht gibt es keinen Sieger.
Verloren haben wir beide.
Und ich kann nicht einmal sagen wann die Schlacht verloren war.
Der Grund kam mir irgendwann ganz schleichend abhanden.
Die eigene Geduld überstrapaziert und der Hunger so groß.
Die latente Gefahr die mich beschlich.
Ich kenne mich und weiß wann der Derwisch in mir kurz davor ist, von dem dünnen Seil auf dem er tanzt, zu stürzen.
Wir hatten andere Pläne als die Umstände.
Den Point of no return knapp verfehlt.
Pausenton ..................................................................

juli 2008


Zieh dich aus

Komm her zu mir,
stell dich dort hin,
öffne dich.
Mehr, ich will alles sehen.
Schön bist du
und feucht.
Ist das eine Träne?
Ja, ich weiß,
das ist dir grad unangenehm,
das ich dich so sehe,
das erste Mal.
Du möchtest dich jetzt lieber bedecken,
aber genau das will ich,
diese Schamhaftigkeit.
Ich will hinter die aufgehübschte Hülle sehen,
will wissen wer du wirklich bist.
Wenn ich dich jetzt anfassen würde,
dich ein wenig quälen,
das würde dich erlösen.
Du könntest die Augen schließen, dich hingeben,
aber gerade jetzt wird das nicht passieren.
Ich will sehen ob du dich windest,
will sehen wie sicher du deiner bist.
Bist du es würdig mir nah zu sein,
kannst du diese Nähe empfinden, zulassen?
Wie weit kannst du mich in dich schauen lassen?
Und gefällt mir was ich dort sehe?
Wenn du dich jetzt schon bedeckt hältst,
mit den Händen,
wie kann ich dich dann erkennen?
Wenn es weitergeht werde ich sowieso
jedes Mikro deines Körpers und deiner Seele ertasten.
Du wirst tun, was du noch nie getan,
woran du noch nie gedacht hast.
Du wirst schmutzig sein und nuttig,
wirst mir alles präsentieren, egal was du dabei fühlst.
Ich werde nicht nur deinen Körper benutzen,
ich werde auch deine Seele schänden.
Du wirst in Abgründe sehen,
nein stürzen wirst du nicht,
aber du wirst glauben das es geschieht
und daran werde ich mich weiden,
an deinen Zweifeln,
deiner Angst,
deinem Schmerz,
deinen Tränen,
aber auch an deiner Lust,
deiner Gier.
Wenn ich dich jetzt zwingen würde
vor mir auf die Knie zu gehen,
dann wäre es leichter,
aber da wirst du schon allein hinkommen müssen.
Das musst du wollen,
da zählt mein Wille nicht.
Was nützt es mir dich dort hin zu prügeln?
Sehe ich dann was du bist?
Sag mir, jetzt, was du dir wünscht.
Du wirst rot, wie süß, das werden wir wohl noch üben müssen,
diese schmutzige Sprache, wenn du meine Hure sein willst.
Ja, sprich es aus, ganz deutlich.
Nur leider will ich das jetzt noch nicht,
wie schade, das kommt noch, später.
Jetzt hast du doch schon fast geglaubt das ich dich erlöse.
Schon wieder vergessen was ich bin?
Um deine Wünsche geht es grad nicht,
die erfülle ich später, wenn mir danach ist.
Du zitterst, nur weil ich deine Schenkel berühre,
dann warte mal ab wenn mein Finger
zufällig etwas anderes berührt,
so wie jetzt gerade eben.
Nass ist das kleine geile Luder,
dir gefällt es also wenn ich dich erniedrige?
Ja, das ist schwer sich selbst einzugestehen.
Mal sehen ob dir der Schmerz auch so gefällt,
wie lange du brauchst ihn zu genießen.
Ja, das tut weh, ich weiß,
gerade darum genieße ich es ja so sehr.
Sieh mich ruhig so an, ich liebe diesen flehenden Blick,
gerade darum höre ich ja noch nicht auf.
Schön das du weißt das betteln jetzt gerade nicht hilft.
Ich weiß doch das dich das gerade jetzt richtig geil macht.
Sehe ich da Tränen aufsteigen?
Noch ein wenig mehr,
dann wird das erlösen noch einmal zur Extraqual.
Ja, schön wie du dich windest,
ich weiß jetzt würdest du dich gerne krümmen vor Schmerz,
jetzt wo es vorbei ist.
Brav das du so still warst dabei,
aber ich werde dir schon noch
Schreie entlocken, wenn erst mein Stock auf dir tanzt.
Gut das du jetzt noch nicht weißt
worauf du dich einlässt.
Ich bin ein böser Mann
und du stehst nackt und allein vor mir.
Das allein ist doch schon ein Wahnsinn.
Findest du nicht?
Ich kann jetzt alles machen,
was mir gefällt.
Ich könnte sogar hinterher einfach gehen.
Daran hast du noch gar nicht gedacht.
Aber keine Sorge, ich werde bleiben,
ich will dich ganz unten sehen,
deine Tränen trinken, die ganze Nacht.
Ja, ich werde meinen Spaß haben
während du leidest, mein Kopf ist schon voller Ideen.

Juli 2008




rund wars - Spiegelvorhaltungen - Ikarus

Sonntag, 20. Juli 2008 - 11:07 Uhr
Rund wars

und schön
das reden
das lachen
das schweigen
das laute kehlige Lachen
so überraschend
und deshalb so echt
andere verschicken Bilder
und warten gespannt auf Bewunderung
ich weiß was ich bin
und stehle mich anders in Herzen
ganz seicht und offen
steh zu mir und laß zu was da wirkt
mach mich bloß
und trete ganz sacht
und barfuß
meine Spuren in rauhe, sandige Herzen
wohlwissend
wie lange sie hallen
wo man mich läßt
da mach ich mich klein
und bleibe ein wenig ewig



Freitag, 18. Juli 2008 - 21:16 Uhr
Spiegelvorhaltungen


was ihr seht
ist meist nur das
vor dem Spiegel
hinter die Scherben
seht ihr nicht

Das Ganze, das heile,
das lacht
mit seiner großen Klappe.

Dort wo die Scherben
knirschen könnten
seht ihr nichts.

Wenn Zähne wütend
eure Gedanken zermahlen
zu einem grauen Einheitsbrei.

Was wisst ihr schon
von der Fassaden Hintergründen?
Der Zutritt dort ist streng begrenzt.

Eine blutige Scherbe
als Eintrittskarte,
angeschrammter Seele.

Nur wer schwach stark sein kann,
wessen Stiefel auch schon
Scherben zerknirschten,
kann das Labyrinth
ohne Schaden durchdringen.

Wer sich selbst noch mag,
trotz der Spiegelbildverzerrungen
noch weiß wer er ist.

Verletzt und verwundbar
über Scherbengebirge gekrochen
mit letzter Kraft.

Und in der Zeit
es wieder gefügt
zu einem ganzen, heilen
das lacht.

Das brüchige, gehalten
von einem goldenen Rahmen
im Entree zum dahinter.

Blendwerk,
Maskenball,
Fassade,
optimistische Täuschung.

Die kohlschwarzen Tränen
weggewischt
und das lippenrot
eine Spur zu deftig.

Es geht weiter,
irgendwie,
immer.



Freitag, 18. Juli 2008 - 15:39 Uhr
Ikarus


Mit wächsernen Flügeln
aufgestiegen
in immer höhere Hitzen
mach mich brennend
lichterloh heiß überall
bis ich falle
in die Kälte
in mich
laß mir den Weg
frei zu wählen
wo ich landen
aufschlagen will
laß mich
kriechend und fauchend
als zitterndes Tier
in der Ecke verschwinden
oder mich
tränend auf Knien
in dich kriechen

Samstag, 2. Oktober 2010

werwölfige Nacht - das Lunatier - Jedermannsfrau

Freitag, 18. Juli 2008 - 14:09 Uhr
Werwölfige Nacht

Gerannt, die ganze Nacht,
bis an die Grenze des Grauens,
des Morgengrauens auch.
Das Rote in den Augen gesehen,
die Klauen, das zottige
Fell,
den Geifer der gebleckten Zähne.
Den Atem gespürt im Genick,
kurz vor dem
ultimativen Biss.
Und gerannt und gerannt.
Wer ist Vater,
wer ist Mutter?
Unaufhaltsamsanft
näherkommend,
faselte es säuselnd
von aufgeben.
Knurrte sich schmeichelnd ein.
Das lichte des Morgens
schon so nah
hinter dem nächsten Hügel
zeigt sich schon erstes Licht.
Aufgeregtheit,
die sich kämpfend
in den Laken verheddert.
So unschuldig,
reinweißen Gewissens
gebe ich auf,
spüre den erlösenden Biss.
Und über das weiße Fell
rinnt ein einziger
Tropfen rote
Mondspucke.




Dienstag, 15. Juli 2008 - 13:47 Uhr
Das Lunatier

Langsam erwacht es wieder, zähneknirschend, fäusteballend.
Noch liegt es am Boden und grollt nur leise vor sich her, aber ich spüre die Macht die es gewinnt.
Es will alles fressen, die Worte, die gesagten und die ungesagten.
Will wütend kämpfen, gegen alles und jeden.
Sprich es an und es fletscht dir wütend die Zähne ins Gesicht und raunt mit maroder Stimme:
Was willst du ???
Sein heißer Atem brodelt dampfend in mir und ich beiße die Zähne fest zusammen, damit es in mir bleibt.
Immer auf der Hut nach einer Gelegenheit ausschauend, einem Schlupfloch, nimmt es den nichtigsten Anlass zum Grund wild um sich zu schlagen und zu treten, zu verletzen, zu zerstören was sich ihm in den Weg stellt.
Alles was bisher gut und zufrieden war wird für eine Weile schlecht und böse.
Es will alles herausschleudern wie grünen Rotz der auf allem haftet, unbesehen des Gegenübers.
Fühlt sich an wie Spiegelsplitter im Herzen, die sich immer tiefer bohren. Mir die Kehle heraufwandern bis sie an den zusammengebissenen Zähne aufgefangen werden und ich sie wieder hinunterschlucke.
Alles wird rau und blutig.
Ganz langsam kriecht es mit seinen scharfen Krallen durch mein Inneres:
Lass mich raus! zerrt es an den rostigen Ketten.
Schweigsam balle ich die Fäuste und ringe es ein ums andere Mal zu Boden.
Viel zu oft schon habe ich die verführerische Kraft gespürt, mit der es mich überredet hat.
Die Wunden die es schlug waren oft schon zu tief, als das sie wieder heilen konnten.
Entschuldigungen gerieten angesichts des Gesagten nur noch zu Schall und Rauch.
Es frisst alles was nett und zärtlich ist und schleudert es mit aller Macht von sich und ist erst zufrieden wenn alles zerstört am Boden liegt.
Nichts und niemand ist in der Lage es wieder in seine kalte, dunkle Höhle zurückzuschicken.
Wer es reizt begibt sich in Gefahr.
Schlag mich jetzt und du wirst sein garstiges Antlitz sehen, Drachenkämpfe wollen ausgefochten werden bis zum bitteren Ende.
Es wartet lauernd auf eine winzige Gelegenheit um zum Sprung anzusetzen, sich an eitrigen Wunden zu laben, die nicht mehr heilen wollen.
Gedanke für Gedanke und Bild für Bild verweise ich es auf seinen Platz im Dreck.
Ziehe mich schweigend zurück und halte aus, durch.
Und zähl währenddessen die Stunden bis der Mond wieder abnimmt.


Samstag, 12. Juli 2008 - 14:46 Uhr
Jedermannsfrau

Mitten im Raum steht sie da, die Augen verbunden, den Kopf gesenkt.
Versunken in ihre eigene Stille, das Rauschen in ihren Gehören unterdrückend.
Leicht wendet sich der Kopf in die ein oder andere Richtung.
Leichtes zittern in den Waden, Anstrengung fühlend in den weit gespreizten Beinen.
Unsicher nicht nur der Stand.
Wer genau hinsieht kann beobachten wie sich ihre Hände in den ledernen Fesseln leicht winden, spürt etwas von ihrem Ungemach des neuen Unbekannten.
Bis zu diesem Punkt im Raum hatte er sie begleitet, bis hierher war alles harmlos gewesen, nur der Auftakt zu einem Fest.
Dann hatte er sie blind gemacht und ihren zitternden Leib entkleidet, hatte ihren Körper in der Fesselung erstarren lassen und ihr gesagt sie solle warten.
Sie wollte Erklärungen, aber da war er schon fort.
Die Zeit maß sie am Gläserklirren, am Gelächter und an den Gesprächen zu leiser Musik.
Gelegentlich ein weibliches jauchzen, ein stöhnen und knurren.
Sie spürte Bewegung in ihrer Nähe, leichter Hauch von Stoffen.
Ein kurzes Gespräch zwischen zweien im gleichen Raum, gefolgt von metallischem Klimpern und dann die sirrenden Geräusche einer Peitsche, gefolgt von ihrem beißenden auftreffen auf nackter Haut.
Sie zählte nicht mit, wie oft das Geräusch sie zusammenfahren ließ.
Eine kurze Weile, dann wieder das metallische Geräusch und sie war wieder allein, mit sich und dem Rest ihrer Sinne.
Sie wollte sich nicht fragen was der Sinn dessen war, sie wollte nur endlich loslassen und das es begann.
Für Lüsternheit war noch kein Raum.

"Meine Herren..." und dann Stühle rücken.
Unterdrücktes Gekicher und sich nähernden Stimmen und Körper.
Und dann spürte sie nur noch die angespannte Ruhe und erste Berührungen.
Hier ein Finger der zärtlich um ihre Hüften strich, dort ein akkurat gefeilter Nagel der über ihren Rücken kratzte. Fingerkuppen die über ihre Arme strichen. Alles nur ein Hauch von Berührung, anfangs noch leicht zu orten wo welche Hand war, auch wenn sie nicht wusste wessen Finger es sie berührten.
Dann wurden sie mutiger, näherten sich, immer mehr Hände auf ihrem Körper, die immer gieriger, fordernder wurden.
Sie kratzten, zogen, kniffen und waren nur noch eine heiße Masse an Stimulation.
Plötzlich ein Bach heißes Wachs, der sich über ihre rechte Schulter bis in die Falte zwischen den Brüsten ergoss.
Ein Griff in die Haare legte ihren Oberkörper frei und aus dem Bach wurde ein Fluss der über ihren ganzen Leib floss. Bis zu den Lenden sich leicht abkühlend, genoss sie das prickelnde Gefühl sich zusammenziehender Haut.
Die Hand an ihrer Wange glitt langsam mit einem Finger über ihre Lippen und stieß ihn dann in ihren Mund, öffnete sie, unwillig. Sie mochte keine fremden Finger in sich.
Nägel gruben halbmondförmige Zeichen in ihr Fleisch, Zähne makelten ihren Körper und bissen sich langsam die Innenseite ihrer Schenkel hinauf.
Finger drangen in sie hinein und eine Ohrfeige ließ ihr Gesicht herumfahren.
Einer hielt ihren Kopf und ließ seine Zunge tief in ihren Rachen gleiten, die Finger mit leichtem Druck an ihren Nasenflügeln.
Überall auf und in sich spürte sie Hände, die ihren Körper immer weiter trieben.
Sie schoben und zerrten, rieben und kneteten sie.
Erregung ließ sich nicht mehr verbergen, alle Sinne mit Reizen überschwemmt sank sie später mit zitternden Knien stöhnend in sich zusammen.
Nach und nach lösten sich die Hände von ihr, Stimmen und Körper entfernten sich.
Ein Getränk an ihren Lippen.
Die Fesseln gelöst und den Körper wieder in Kleidern verhüllt.
Ihre Hände wollten die Augenbinde lösen, aber eine Bewegung deutete an das sie in dieser Nacht nicht sehen sollte.
Man führte sie in den Raum nebenan, setzte sie an den Tisch zu den anderen und der Abend ging weiter als wäre nichts anders gewesen, weder für sie, noch für einen der anderen.
Sie lachte und erzählte als würde sie sehen, einige Stimmen kannte sie.
Heimlich feierte sie ihren Triumph, suchte mit tastenden Fingern ihr Glas und stieß mit ihrem Ego an.
Heute, auf diesem Fest, ihrem Fest, war sie Jedermanns Frau gewesen.