Mittwoch, 19. November 2008 - 20:34 Uhr
wider
- nett
Nett, ja, das war ich wohl.
Das hatte ja auch seinen
Grund, meine Liebe.
Weißt du, diese Einladung zum Kaffee, die war
von langer Hand geplant.
Ich wusste ja, das es ein paar Wochen
dauern würde, aber das machte nichts aus.
Ich hatte ja auch ein
paar Dinge vorzubereiten.
Du solltest dich doch wohl fühlen und
ich wollte dir eine gute Freundin sein bis dahin.
Jeden Tag ein
Stückchen näher beisammen rücken.
Mein ganzes Verständnis habe
ich dafür zusammenraffen müssen, leicht fiel mir das nicht.
Aber
ich habe mir alles ganz brav angehört.
Deine Tränen der
Sehnsucht und des Verlangens getrocknet, immer freundlich,
verbindlich.
Gab dir gute Ratschläge und hörte mir an was du
daraus machtest.
Innerlich schrie es dabei oft in mir.
Aber ich
hatte ja Ablenkung in den Stunden dazwischen.
Überrascht war
ich dann allerdings ein wenig dass der Vorschlag sogar von dir
kam.
Und nun sitzen wir beide hier so nett beieinander und trinken
Kaffee.
Du möchtest noch eine Tasse, aber gerne doch.
Ich
hätte gedacht es würde schneller gehen.
Warum tupfst du dir
denn so oft die Mundwinkel ab?
Du wirkst ein wenig ruhelos.
Ja,
zieh nur die Schuhe aus, ich weiß das deine Füße jetzt langsam
anfangen zu kribbeln.
Nein, der Schwindel kommt sicher nur vom
Cognac.
Ruh dich nur eine Weile aus, das geht gleich wieder
vorbei.
Derweil rede ich eben auch mal ein wenig, ich komme bei
dir ja selten dazu.
Als wir uns damals kennen lernten, da war
ich ganz begeistert, wie schnell man sich mit dir anfreunden konnte.
Du warst so zutraulich in deiner Hilflosigkeit. Fast hätte ich
Mitleid gehabt mit dir.
Aber eben nur fast. Ich wusste ja von
Anfang an, was für ein Spiel du spieltest.
Nein, sei besser still
und lass mich reden, trink doch noch einen Schluck.
Du
Dummerchen, jetzt hast du die Tasse umgestoßen, kannst du denn schon
nicht mehr richtig sehen.
Ich glaube ich sollte mich beeilen mit
meiner Geschichte.
Ach ja, dein Spiel, da war ich stehen
geblieben.
Ganz am Anfang, da hab ich dir ja auch noch geglaubt,
da war ich wirklich entsetzt über das was dir passiert ist.
Aber
dann habe ich nachgedacht und so einiges passte doch nicht recht
zueinander.
Ich kannte aber ja auch das Ziel, das du
verfolgtest.
Ich wusste ja, wer meine Gegnerin war.
Warte,
ich öffne das Fenster ein wenig, vielleicht bekommst du dann ein
wenig besser Luft. Eine Weile wirst du mir noch zuhören
müssen.
Nein, versuch besser nicht aufzustehen, das wird dir
jetzt nicht mehr gelingen.
Ich rück dir das Kissen noch ein wenig
zurecht, damit du es bequem hast
und ich wisch dir auch den Sabber
aus dem Gesicht. Ein wenig eklig ist das ja schon.
Du wirkst jetzt
etwas überrascht, meine Liebe.
Bitte, sprich doch deutlich, ich
kann dich ja kaum verstehen.
Ja, wir beide hatten das gleiche
Ziel und ich war dem schon so nah.
Und dann kamst du, so hilflos,
auf der Suche.
Beschützt wolltest du werden, und deine Taktik war
wirklich gut.
Wenn man denn zum Beschützen neigt.
Nur, ich bin
leider nicht so, zumindest nicht, wenn man sich mir in den Weg
stellt.
Und wenn ich das verlogene Spiel dann noch durchschaue.
Da
werde ich dann doch etwas empfindlich und manchmal sogar ein wenig
kratzbürstig. Und gelegentlich neige ich sogar ein bisschen zu
Übertreibungen.
Nun, ich wusste mir keinen anderen Rat mehr
und du warst wirklich leichte Beute. Ich habe ja so viel Verständnis.
Entschuldige das ich jetzt gerade kichern muss, aber erinnerst du
dich noch wie du mir von der Maus in deiner Küche erzähltest.
Ich
bin ja nur froh das du Kaffee süß und mit Cognac trinkst, dieser
mäuseartige Geruch hat mir anfangs doch sehr zu schaffen
gemacht.
Und es soll ja auch ein wenig scharf schmecken, aber das
überdeckt der Alkohol, wie mir scheint. Und das süße Mohngebäck
hilft auch ein wenig.
Das musst du jetzt aber doch zugeben,
das war ein netter Zug von mir, dass ich das extra noch für dich
gebacken habe, sonst müsstest du dich jetzt viel mehr quälen meine
Liebe.
Aber dadurch wirkt es jetzt leider auch so schnell, was ich
jetzt fast ein wenig ärgerlich finde.
Nun ja, du befindest
dich wenigstens in guter Gesellschaft.
Sokrates ist damals auf die
gleiche Weise von uns gegangen und der war ja nun wirklich um einiges
bedeutender als du.
Weißt du, das seine Freunde ihn damals
aus dem Gefängnis befreien wollten um sein Leben zu retten?
Ich
hatte dir ja auch ein paar Mal geraten zu gehen, aber du wolltest
partout nicht auf mich hören.
Ja, ich weiß, das Atmen wird
immer schwerer, aber ich weiß auch das du mir jetzt ganz genau
zugehört hast und das dir jetzt so einiges klar geworden ist, nicht
wahr meine Liebe?
Nein, du kannst jetzt nicht mehr flüchten, es
gibt keine Rettung mehr.
Nur eines verstehe ich nicht.
Die
alten Griechen behaupteten es wäre ästhetisch, wenn ich dich so
ansehe, dann können wir beide dem wohl nicht so ganz zustimmen.
Eine
kleine Weile noch, dann ist es überstanden.
Montag, 17. November 2008 - 15:11 Uhr
Hamazan
"Weißt du," sinnierte sie, während sie mit dem
Wetzstein ihr Schwert bearbeitete, "ich glaube darin liegt der
Sinn meines Seins."
Er saß auf der anderen Seite des
Feuerscheins und drehte das Tier am Spieß über dem Feuer.
Sie
war sich gewiss das er ihr zuhörte, auch wenn er keinerlei Regung
zeigte, und so redete sie weiter.
"Es gibt Schlachten,
die sind mir vorherbestimmt. Ich habe keinen Kriegsherren, der mich
in seine Schlachten ziehen heißt. Ich ziehe durch die Zeit und suche
mir meine Schlachtfelder.
Wenn ich an einem Feld vorbeireite,
sehe Blut und Tränen und höre im Irgendwo einen Verletzten klagen.
Manchmal klagen sie nicht laut, sondern kämpfen verbissen gegen
die, die sie ihre Feinde nennen.
Ich sehe das Säbelrasseln aus
der Ferne und weiß, dort ist ein Kampf zu kämpfen, eine der mir
eigenen Schlachten.
Dann mache ich Halt auf dem Hügel und
betrachte aus der Ferne das Kampfgeschehen.
Ich sehe all das Blut
auf dem rot gefärbten Acker und kann die Toten kaum zählen.
Inmitten all dessen sehe ich diesen einen Kampf, wie in Öl gemalt.
Und aus den Schreien spricht, in all dem Hass, der Wut, der
Verzweiflung, der verlorenen Liebe nur eines, die Angst vor dem
verlieren."
Ihr schien, sie hätte eben eine Riefe in die
Schneide geschliffen und hob ihr Schwert, um im Licht des Feuers
entlang der glänzenden Klinge zu sehen.
Mit dem Ort wies sie
direkt auf die Stelle seines Harnischs an der sein Herz schlägt.
Die
rote Glut spiegelte sich in der Blutrinne und sie fuhr mit dem Finger
entlang der geschliffenen Schneide ohne Widerstand zu
verspüren.
Zufrieden mit ihrer Arbeit besah sie kurz den Tropfen
Blut in dem winzigen Schnitt an ihrem Finger und saugte es wie
beiläufig ein.
Die Kraft des Blutes musste sie nicht vergießen
um davon zu zehren.
Ihr Blick fiel auf die Inschrift in der
Fehlschärfe
"In hoc salus". In diesem ist das
Heil.
Sie wendete das Schwert um die andere Schneide zu
schärfen.
Mit einem Tuch rieb sie etwas Nelkenöl auf den Stahl
um dann wieder mit dem Wetzstein darüber zu schleifen.
Im Feuer
zischte es, wenn etwas aus dem Tier am Spieß herunter tropfte.
Beruhigend zu hören, wenn man hungrig ist und frei genug um den
Hunger stillen zu können.
Er saß immernoch reglos lauschend
ihr gegenüber, den Geräuschen des Feuers, des Wetzsteins und ihrer
Stimme, die sich langsam in ihn einschliff.
"Weißt du,"
sprach sie weiter "ich habe schon so viele Schlachten
geschlagen. Ich könnte auch müde sein von all den Kämpfen. Aber
ich kam mit jedem Kampf meinem Ziel näher, dem Sinn an sich.
Ich
habe Schlachten gewonnen, verloren und aufgegeben. Ich habe andere
gelehrt zu kämpfen, oder ihnen zur Seite gestanden, wenn sie selbst
müde waren.
Das alles gehörte zu meinem Weg der mich in diese
eine Schlacht führte, von der ich dir jetzt erzähle.
Ich
hatte vor längerer Zeit schon einmal davon gehört.
Nur, manche
Wege muss man doppelt kreuzen um sie zu erkennen und inne zu
halten.
Diesmal aber zog ich mein Schwert und wollte mich wie
gewohnt in die Schlacht stürzen, aber ich fühlte, mein Schwert
allein würde diesen Kampf nicht gewinnen.
Ich musste mich
durchkämpfen zu dem Krieger, der da inmitten des Ölgemäldes gegen
mir unbekannte Gegner kämpfte.
Ich sah die dunklen Gestalten, die
ihn umringten, die ihm anboten aufzugeben und mit ihnen Seite an
Seite zu kämpfen.
Er wies mich zurück, als ich mit erhobenem
Schwert neben ihm stand und bereit war an seiner Seite zu kämpfen.
Er wollte keine Verbündeten, er wollte auf seine eigene Art
kämpfen.
Aber ich sah die tiefen Wunden, die man ihm bereits
zugefügt hatte und ich blieb an seiner Seite um auf den Zeitpunkt zu
warten, an dem ich in den Kampf eingreifen müsste. Ich blieb, weil
ich wusste das dies meine wichtigste Schlacht werden könnte.
Es
war schwer zuzusehen, wie ihn die Kraft und der Mut verließ. Aber
sein Stolz verbot ihm, mich und mein Schwert mit in diese Schlacht
ziehen zu lassen.
Ich stand, das Heft in der Hand, daneben und
wartete.
Er taumelte bereits und seine Gegner drohten die
Überhand zu gewinnen und ihn auf ihre Seite zu ziehen.
Würde er
sich mit ihnen verbünden?
Auf diese Art hatte ich noch nie
gekämpft, aber ich nahm all meinen Mut zusammen und erhob mein
Schwert. Seine Gegner machten mir Angst, und ich hatte nur diese eine
Chance.
Entweder war er jetzt bereit sich Rücken an Rücken mit
mir den dunklen Gestalten zu stellen, oder sie würden gewinnen.
Er
stand da, sein Schwert gesenkt, und ich stellte mich hinter
ihn.
Seinen letzten Versuch mich fort zu schicken überhörte ich,
erhob mein Schwert und schlug dem stärksten seiner Feinde mit einem
Hieb den Schädel entzwei.
Jetzt hätten wir eine Chance auf den
Sieg, wenn er mit mir kämpfen würde.
Die anderen Gestalten
näherten sich, nachdem ihre erste Wut über den Verlust ihres
Anführers verflogen war.
Ich hielt ihnen drohend mein Schwert
entgegen, das Heft fest mit beiden Händen umfasst. Aber es waren zu
viele, ich musste ihn dazu bringen mit mir zu kämpfen.
Er hörte
wohl meinen Kampfschrei, als ich mich auf den nächsten der dunklen
Gegner stürzte und er erwachte, sah sich um und Mut und Kraft
kehrten in ihn zurück.
Wir stürzten uns gemeinsam in die
Schlacht und einer nach dem anderen fiel durch unser Schwert.
Und
mit jedem Feind, den er erschlug gewann er an Stärke.
Ich hatte
bald nichts mehr zu tun, als ihm den Rücken frei zu halten und nur
noch die zu bekämpfen, die sich aus dem Hinterhalt an ihn
heranschlichen.
Den Kampf an vorderster Front konnte und musste
er jetzt allein gewinnen, jetzt wo er seine Gegner klar
erkannte.
Und endlich waren sie alle besiegt.
Wir
verließen das Schlachtfeld Seite an Seite und blickten uns auf dem
Hügel noch einmal um.
Von hier oben wirkten die Besiegten gar
nicht mehr so bedrohlich, eher wie friedlich schlafende Drachen.
Ich
besah seine Wunden, erkannte wie hungrig er war und bot ihm an mich
an das Feuer in meiner Höhle zu begleiten."
Sie legte
den Wetzstein beiseite, betrachtete ihr Schwert noch einmal im
Feuerschein und wars zufrieden.
Er sah, wie sie den Stahl noch
einmal mit dem Öl abrieb und sprach:
"Meine Wunden heilen
langsam, aber sie heilen. Das Feuer wird mit der Zeit die Kälte in
mir fortwärmen.
Und jetzt können wir unseren Hunger
stillen."
Mit dem Schwert in der Hand erhob sie sich und
setzte sich neben ihn ans Feuer.
Er zog das Tier vom Spieß und
teilte es mit den Händen in zwei Teile und hielt ihr mit glänzenden
Fingern ein Teil hin.
Das Schwert legte sie vor sich auf den
Boden, so dass er die zweite Inschrift auf der Hohlkehle lesen
konnte.
"Omnia vincit amor." Alles besiegt die
Liebe.
Dann stillten sie Seite an Seite ihren Hunger.
Sie
dachte an den Spruch, den man ihr, als sie ihr Schwert empfing mit
auf den Weg gegeben hatte:
"In necessariis unitas, in
dubiis libertas, in omnibus caritas."
Im Notwendigen
Einheit,
im Zweifel Freiheit,
in allem Liebe.
Sonntag, 9. November 2008 - 20:03 Uhr
naturtrüb
"Weißt du," raschelt sie im Laub, "wie das
geht mit der Nähe?"
Mal hab ich geglaubt ich könnte das
und hab Möglichkeiten gekostet.
Ich hab genippt, ganz
probiererisch.
Ganze Gläser in einem ausgetrunken.
Und
Flaschen, auch die, bis zur bitteren Neige.
Manches war süß,
anderes klebrig, von einigem war ich wie besoffen.
Man kann sich
ganz wunderbar von Sinnen trinken.
Aber ohne Sinn taugt alles
nichts.
Man kann alles wollen, ohne Luft zu holen dabei, dann
wirft man auf russisch das Glas hinter sich und tritt bestenfalls
noch nackt in die Scherben. Das blutet und schmerzt eine Weile.
Oder
man hat einfach nur Durst, der gestillt sein will.
Wasser, kalt
und klar, in einem einzigen Zug. Das klebt nicht an einem, nach dem
Durst.
Und wenn einen friert, dann braucht man was warmes, zum
Rosinen rauspicken, die sind das beste daran. Nur wenn das abkühlt,
weil man genug hat und keinen Schluck mehr erträgt, dann bleibt es
mit bitterer Haut. Und in den Schlieren muss man sich selbst
erkennen, obs einem gefällt oder nicht.
Sommerträume, mit
vereisten Limetten, saugt man ein bis der Halm am Grunde den Zucker
aufwühlt, lässt sie sich zu Kopfe steigen, träumt eine Weile vor
sich her und stellt die Reste resigniert beiseite.
Ein bisschen
bitter wenn das absinthlich ist, aber so trifft man auf Erkenntnisse,
auch für sich.
Diese Rotweinromantik war mir schon immer ein
skeptisch, spießiges Grausen.
Wer so trinkt könnte mehr Schein
als Sein sein wollen.
Billigem Rotwein aus Wassergläsern kann
ich trauen. Da kann man auch stille bei schwelgen ohne so zu tun als
ob. Das hat was von früher, von nächtelang reden, miteinander.
Nicht wichtig, erhaben aneinander vorbei. Unumständlich,
geradeheraus.
Ich glaub, das liegt an dem Nebel und an der
Zeit, das ich jetzt grade so bin. Ich möcht mich in dir vergraben,
viel länger als es dunkel sein kann.
Später wenn wir unsere
Hände um heißen Kakao und umeinander verschlingen, ganz ohne
Absicht.
"Weißt du," sagt sie und schaut in
laubnackte Bäume, schiebt dabei sich in seine Tasche, "dich
möchte ich nah, wie aus einer ewigen Quelle, bis zum letzten
Tropfen."